Ein kleiner Roboterhund bahnt sich seinen Weg durch die Menge, vorbei an Infoständen und Plakatwänden: Auf der 2. German Robotics Conference (GRC) trafen sich vom 11. bis 13. März führende Robotik-Wissenschaftler*innen deutscher Hochschulen in Köln. Auch die Universität Bonn, die RWTH Aachen University und die Fraunhofer-Institute IVI, IWU, IPA, IISB und IML waren mit ihren Projekten vertreten. Unter den Gästen der Konferenz waren auch der Rektor der Universität Bonn, Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch, sowie die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Dorothee Bär.
Anerkennung und Förderung der Robotics-Forschung
Xuying Huang steht mit einem Tablet vor einem Roboter und demonstriert der Ministerin Dorothee Bär die wichtigsten Funktionen. Sie hat den etwa ein Meter großen mobilen Avatar mit dem Namen PRIVATAR für chronisch kranke Schulkinder entwickelt. Er simuliert ihre Anwesenheit im Klassenzimmer und ermöglicht durch Sensorik Interaktionen. „Das Projekt legt besonders viel Wert auf den Schutz der Privatsphäre“, sagt die Doktorandin der Universität Bonn. Sie forscht unter der Leitung von Prof. Dr. Maren Bennewitz am Humanoid Robots Lab des Instituts für Informatik zu Navigation in dynamischen Umgebungen und personalisierter Mensch-Roboter-Interaktion. Die Universität Bonn arbeitet dabei mit der Universität Duisburg-Essen und der Universität Göttingen zusammen.
Mit ihrem Projekt steht Huang beispielhaft für die Breite der Bonner Robotikforschung, die auf der Konferenz sichtbar wurde. Die Arbeiten am Standort Bonn konzentrieren sich auf Kontrollprogramme für mobile Roboter. Ziel ist es, dass Roboter ihr Verhalten flexibel an Umgebung und Interaktionspartner anpassen und zugleich die sensorische Datenerhebung minimieren. Damit leistet das Team des Instituts für Informatik einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung vertrauenswürdiger Assistenzsysteme, deren Architektur über den Schulkontext hinaus vielfältige Einsatzmöglichkeiten bietet. Das BMFTR fördert das Projekt.
In ihrer Keynote betonte Forschungsministerin Bär die Bedeutung der Hightech-Agenda und des AI Robotics Boosters für den Industriestandort Deutschland:
„Die Forschung sollte sich an den Bedürfnissen der Industrie orientieren. Ich bin fest vom Erfolg dieses Vorhabens überzeugt.“ Das Ministerium wolle gezielt Vorzeigeprojekte fördern, etwa im Bereich humanoider Robotik. Im Fokus stehe der gesamte Innovationsprozess – von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung. Zugleich rief Bär die Wissenschaft zu stärkerer Sichtbarkeit auf: „Ich möchte Sie bitten, dass Sie sich lautstark für Ihre Fachgebiete einsetzen. Für alles, was die Robotik voranbringt.“
Robotics Institute Germany als Netzwerk
Organisiert wird die German Robotics Conference vom Robotics Institute Germany (RIG). Das RIG bildet ein Netzwerk aus 14 Forschungseinrichtungen und mehr als 20 assoziierten Partnern. Auf der Konferenz kommen Vertreter*innen aus Forschung und Industrie zusammen, um Allianzen und Synergien zu stärken. Die Veranstaltung fand 2026 zum zweiten Mal statt. Das RIG wurde 2024 gegründet und wird derzeit vom BMFTR mit 20 Millionen Euro gefördert.
Bonner NimbRo-Team erfolgreich beim RoboCup
Zeitgleich zur GRC fanden in den Messehallen in Köln-Deutz die Bildungsmesse Didacta und der RoboCup statt. Für RIG-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Sven Behnke war das Event ein voller Erfolg: Beim RoboCup German Open 2026 verteidigte sein Team NimbRo souverän den Meistertitel in der @Home-Liga. Die Haushaltsroboter verstanden Sprachkommandos, lieferten Bestellungen aus und räumten Waschmaschinen aus. Die Entwicklerteams traten in der Arena gegeneinander an.
„Ziel unserer Forschung ist es, dass assistenzbedürftige Menschen länger selbstbestimmt in ihrer gewohnten Umgebung leben können“, sagt Prof. Dr. Sven Behnke, Leiter der Abteilung für Intelligente Systeme und Robotik, ELLIS Fellow und PI am Lamarr-Institut. Machine Learning und Artificial Intelligence seien Schlüsseltechnologien, damit Roboter die komplexen Herausforderungen des Alltags meistern können. Behnke leitet außerdem das Forschungsgebiet Embodied AI am Lamarr-Institut.
Keynotes, Panels und Auszeichnungen
In einem Vortrag präsentierten vier hochrangige AI-Servicezentren ihre Visionen und Kernelemente. Im Anschluss moderierte Prof. Dr. Maren Bennewitz, Prorektorin für Digitalisierung und Informationsmanagement der Universität Bonn, Professorin für Humanoide Roboter und Lamarr-Wissenschaftlerin ein Panel zur Integration von Robotics und AI, unter anderem mit Vertreter*innen von Cyber Valley (Stuttgart), Baiosphere (München), hessian.AI (Hessen) und Lamarr (Bonn).
Prof. Dr. Stefan Wrobel, Leiter der Abteilung III Informationssysteme und Künstliche Intelligenz am Institut für Informatik geschäftsführender Direktor des Bonn-Aachen International Center for Information Technology (b-it) und Co-Direktor des Lamarr-Instituts für Machine Learning und Artificial Intelligence, plädiert für einen Paradigmenwechsel hin zu ressourceneffizienten und vertrauenswürdigen AI-Systemen: „Dahinter steht die Überzeugung, dass Anwendungen keine Einbahnstraße sind, sondern neue Herausforderungen für unsere Forschung.“ Er erläuterte das Prinzip der triangulären AI, bei dem Daten, Wissen und Kontext systematisch in AI-Anwendungen integriert werden und das ein starker Fokus in der Forschungsarbeit des Lamarr-Institut spielt.
Zum Abschluss der Konferenz wurden die RIG Heroes Awards verliehen, moderiert von Prof. Dr. Angela Schoellig (Technische Universität München). Prof. Gerd Hirzinger wurde mit dem RIG Pioneer Award für sein Lebenswerk geehrt; die Auszeichnung wird künftig nach ihm benannt. Mit dem RIG Outstanding Doctoral Thesis Award wurden herausragende Dissertationen gewürdigt, darunter Arbeiten von Dr.-Ing. Ge Li (Karlsruhe Institute of Technology) und Dr. rer. nat. Pierre Schumacher (Universität Tübingen). Der Outstanding Startup Award ging an Olive Robotics für AI-basierte, ROS-2-native Sensorsysteme zur Verbesserung der Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit autonomer Robotik.
Robotik und AI, Forschung und Anwendung: Auf diesen Achsen wurden auf der diesjährigen RIG-Konferenz wichtige Impulse für die Zukunft moderner Technologien in Deutschland gesetzt – mit maßgeblicher Beteiligung des Instituts für Informatik der Universität Bonn.