Wie lässt sich ein Informatikstudium mit einer erfüllten Karriere verbinden – vielleicht sogar mit einer Führungsposition? Und welche Wege führen dorthin? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Unternehmensbesuchs beim Hauptsitz der Propan Rheingas GmbH & Co. KG in Brühl, den die Gleichstellungsinitiative GIDIS des Instituts für Informatik organisiert hat. Eine Gruppe von insgesamt fünfzehn Teilnehmer*innen, überwiegend Studentinnen aus Informatik und Cyber Security sowie einige aus der Mathematik, nutzte die Gelegenheit, Einblicke in den Berufsalltag und Karrieremöglichkeiten in einem mittelständischen Unternehmen zu gewinnen.
Zwischen Gasabfüllanlage und Datenanalyse
Der Tag startete um 9:30 Uhr mit einer Einführung und der Vorstellung des Programms. Es folgte eine Unternehmensvorstellung, bei der die Teilnehmerinnen auch Fragen zum persönlichen und wissenschaftlichen Werdegang des Vortragenden stellen konnten. Danach erhielten sie eine Einführung in die Produkte von Rheingas und lernten bei einer Führung über das Betriebsgelände unter anderem die Propan-Abfüllanlage und die Lagerstätten kennen – ein deutlicher Kontrast zu den eher dienstleistungs- und medienorientierten Unternehmensbesuchen der vergangenen Termine.
Besonders spannend wurde es am Nachmittag: Ein Vortrag über Business Intelligence und Nachhaltigkeit zeigte, wie datengetriebene Analysen in der Energiebranche helfen können, Prozesse effizienter und klimafreundlicher zu gestalten. Direkt danach ging es um die IT des Unternehmens, vorgestellt von der IT-Leiterin und einer Gruppenleiterin. „Hier gab es viel Raum für Fragen – zum Quereinstieg, zur Vereinbarkeit von Familie und Karriere und zu den Herausforderungen im Arbeitsalltag“, hieß es aus dem GIDIS-Team.
Karrierewege sind selten gerade
Einer der stärksten Eindrücke aus den Gesprächen mit Mitarbeitenden: Berufliche Laufbahnen verlaufen selten schnurgerade.
Stattdessen spielten Beispiele eine Rolle, bei denen Personen über Umwege in der IT gelandet sind oder parallel zur Tätigkeit in der Industrie eine Promotion abgeschlossen haben, weil sie sowohl die freie Wirtschaft als auch die akademische Arbeit schätzen. Für die Studentinnen wurde so erfahrbar, dass Karrieren in MINT-Fächern individuell und durchaus auch nicht gradlinig verlaufen können.
Eine Teilnehmerin fasste es so zusammen: „Für eine spannende und erfolgreiche Karriere gibt es nicht nur einen linearen Weg. Wenn man seinen Interessen und Fähigkeiten folgt und sich einbringt, kann man sich auch sehr spannende neue Felder im Quereinstieg erschließen.“
Gleichstellung als gelebte Unternehmenspraxis
Das Thema Gleichstellung spielte vor allem im letzten Programmpunkt eine Rolle, als die IT-Leiterin und eine IT-Gruppenleiterin aus ihrem eigenen Berufsalltag berichteten. Im Mittelpunkt standen hier die Vereinbarkeit von Familie, Karriere und Erwartungen im Unternehmen sowie die Erfahrungen mit flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice, die in den letzten Jahren zusätzliche Möglichkeiten eröffnet haben.
Die beiden Führungskräfte beschrieben, wie wichtig es ist, von Vorgesetzten Unterstützung und einen Vertrauensvorschuss zu erhalten – etwa das Vertrauen, dass die Doppelrolle aus Berufstätigkeit und Elternschaft gelingen kann und dass auch Führungsverantwortung in Teilzeit möglich ist. Für die Teilnehmerinnen wurden Gleichstellung und Diversität damit nicht nur als abstrakte Ziele, sondern als konkrete Rahmenbedingungen erfahrbar, die den eigenen Karriereweg maßgeblich beeinflussen können.
Mehr als nur ein Blick hinter die Kulissen
Die von der AG GIDIS (Gleichstellung in der Informatik stärken) organisierten Unternehmensbesuche finden mittlerweile regelmäßig statt – immer am Dies Academicus – und bieten Studentinnen eine wertvolle Orientierung für die Berufswahl nach dem Studium. Sie zeigen Möglichkeiten auf, die man bisher „nicht so auf dem Schirm hatte“, weil sie nicht dem für das Fach typischen Verlauf entsprechen.
Den Besuch bei Rheingas fasste das GIDIS-Team wie folgt zusammen: „Gerade für Informatikerinnen und Mathematikerinnen war es besonders spannend, die Arbeit in der IT eines mittelständischen Unternehmens kennenzulernen, also insbesondere die Entwicklung, Wartung und Verwaltung der unternehmensinternen Softwarelösungen“.
Wo der nächste GIDIS-Besuch hingehen wird, steht noch nicht fest. Aber klar ist: Die Mischung aus Praxisnähe, Austausch und Inspiration hat Lust auf mehr gemacht und vielleicht auch die eine oder andere berufliche Idee geweckt.