InKoNetz - wissenschaftliche Aspekte
Ziele des InKoNetz-Projektes sind die Stärkung der internen Kooperationsfähigkeit und damit auch
der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen sowie der Transfer der Erkenntnisse aus der
Arbeit mit den beteiligten Unternehmen an andere kleine und mittlere Unternehmen, damit diese davon
profitieren können.
Zur Erreichung dieser Ziele arbeiten wir einerseits eng mit den Praktikern in den beteiligten
Unternehmen zusammen, andererseits bereiten wir vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse aus
verschiedenen relevanten Fachgebieten auf und setzen sie zu unseren konkreten Praxisanforderungen
und -problemen in bezug.
Der Schwerpunkt der Arbeit des InKoNetz-Projekts liegt auf kleinen und mittleren Unternehmen, die
nicht nach den klassischen Mustern der Aufbau- und Ablauforganisation arbeiten, sondern die
"neuartige Organisationsformen" in ihrer Arbeit anwenden. Dabei reicht das Spektrum, was genau unter
einer "neuartigen Organisationsform" verstanden werden soll, weit. Gemeinsamkeit dabei jedoch, das
durch diese Form der Organisation neue Chancen und Herausforderungen für die Unterstützung der
internen Kooperation der Unternehmen entstehen. Folgende Themen stehen dabei im Vordergrund:
- die zunehmende technische Unterstützung der internen Kommunikation, Kooperation und Koordination
erfordert eine angemessene Gestaltung und Konfigurierung der eingesetzten Technik und eine
entsprechende Organisationsstruktur,
- die vermehrt anzutreffende geographische Verteilung von Mitarbeitern auch kleiner und mittlerer
Unternehmen stellt Organisation und Kommunikation im Unternehmen neue Herausforderungen,
- die zunehmende Organisation insbesondere von Dienstleistungsunternehmen als Netzwerke von
Freelancern und Teilzeitbeschäftigten bringt Änderungen mit sich, denen klassische Vorgehensweisen
nicht gewachsen sind.
Insgesamt gilt es dadurch für Unternehmen, mit einer steigenden organisatorischen und technischen
Komplexität umzugehen. Eine Vielzahl von Fragen stellt sich, deren Beantwortung für den Erfolg des
Unternehmens maßgeblich ist, beispielsweise:
- Welche organisatorischen und technischen Strukturen erlauben ein effizientes Arbeiten von
verteilten Teams?
- Wie kann bei in vieler Hinsicht flexiblen Beschäftigungsverhältnissen ein Mindestmaß von zur
Kooperation notwendiger Stabilität erhalten werden?
- Wie kann bei weitgehender Selbstorganisation von Teams die Erhaltung der notwendigen
Infrastruktur der gesamten Organisation gesichert werden, also was ist ein sinnvolles Maß an
"Verwaltung"?
- Wie können Maßnahmen zur Unterstützung neuer Organisationsformen eingeführt werden?
Der Projektbereich Software-Ergonomie und CSCW (Computer Supported Cooperative Work -
computerunterstützte Gruppenarbeit) am Institut für Informatik III der Universität Bonn beschäftigt
sich seit 1990 interdisziplinär wissenschaftlich und praktisch mit der Unterstützung von
Organisationen durch Informations- und Kommunikationstechnik. Dabei sind mehrere Forschungsfelder
relevant:
Software-Ergonomie beschäftigt sich mit der angemessenen Gestaltung von Software. Hier sind nicht
nur Bildschirmfarben und Schriftgrößen zu beachten, vielmehr spielen auch die in der DIN 66234 Teil
8 festgehaltenen Grundsätze der Dialoggestaltung eine wichtige Rolle. Dort wird ein Dialog
beispielsweise als "aufgabenangemessen" bezeichnet, wenn er die Benutzer bei der Erledigung ihrer
eigentlichen Aufgabe unterstützt, ohne sie durch Eigenschaften des Systems unnötig zu belasten.
Weitere wichtige Grundsätze sind Selbstbeschreibungsfähigkeit, Steuerbarkeit, Erwartungskonformität,
Fehlerrobustheit, Lernförderlichkeit und Individualisierbarkeit. Allerdings greifen diese abstrakten
Grundsätze der Dialoggestaltung noch recht kurz und bedürfen der Interpretation und Erweiterung, um
als eine Grundlage der Gestaltung und Einführung von Software zu dienen. Die aktuelle und rege
Diskussion zur Software-Ergonomie (englisch: HCI - Human-Computer Interaction) leistet dazu viele
Beiträge.
Das Forschungsgebiet CSCW (Computer Supported Cooperative Work) hat die Unterstützung von
Gruppenarbeit durch Computer zum Thema. Dazu tragen neben der Informatik auch Disziplinen wie
Soziologie, Anthropologie und Psychologie bei, in denen die Erforschung und Gestaltung von
Gruppenarbeit Tradition hat. Themen hier sind das grundsätzliche Verständnis dessen, wie Gruppen
zusammenarbeiten, die Frage, welche Änderungen sich durch die Computerunterstützung ergeben, die
Sammlung und der Vergleich von Fallbeispielen aus verschiedenen Gruppen und Organisationen sowie die
Entwicklung und der Einsatz konkreter Software zur Unterstützung von Gruppenarbeit.
Weitere für das InKoNetz-Projekt interessante Forschungsgebiete sind beispielsweise die
Organisationstheorie, Arbeitspsychologie und die Theorie der Informationssysteme.
Das InKoNetz-Projekt kann von diesen Forschungsfeldern profitieren, indem es deren Erkenntnisse
verwertet und einfließen läßt, es kann aber auch zu diesen Forschungsfeldern beitragen, indem die
Erkenntnisse und Ergebnisse des InKoNetz-Projektes in die wissenschaftliche Diskussion eingebettet
werden und diese weiterbringen. In diesem Sinne sind auch die wissenschaftlichen Veröffentlichungen
des InKoNetz-Projektes zu verstehen.
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