Informationen zum Bachelor Informatik

Zum Wintersemester 2007/08 nimmt der neue Bachelorstudiengang Informatik an der Universität Bonn seinen Studienbetrieb auf. Es gibt für den Informatik-Bachelor zunächst keine Zulassungsbeschränkungen, so dass sich Interessenten ohne vorherige Anmeldung oder Bewerbung zu den allgemeinen Einschreibeterminen (also vom 24.-26.9.2007) beim Studierendensekretariat für den neuen Studiengang einschreiben können. Erster Vorlesungstag ist dann Montag, der 15.10.2007.

Der Bachelorstudiengang hat eine Regelstudienzeit von 6 Semestern. Das Studium ist komplett  modularisiert, d.h. jede Lehrveranstaltung ist Teil eines Moduls (in der Regel einer Vorlesung mit zugehörigen Übungen), das als Ganzes innerhalb eines Semesters inklusive der zugehörigen Prüfung zu absolvieren ist. Semesterübergreifende Module gibt es in Bonn derzeit nicht. Für eine bestandene Modulprüfung werden Leistungspunkte ("credits") vergeben, die sich aus der zu erwartenden Arbeitsbelastung für den Studierenden in dem jeweiligen Modul berechnen. Ein Leistungspunkt (LP) repräsentiert dabei 30 Stunden "Workload".

 

Europaweit hat man sich darauf geeinigt, pro Semester in der Regel 30 LP an Arbeitsleistung zu erwarten, so dass ein 6-semestriges Studium also 180 zu erwerbenden LP entspricht. Natürlich ist es möglich in einem Semester weniger (oder auch mehr) als diese 30 LP zu erwerben, manchmal lässt sich das - etwa bei Misserfolg in der ein oder anderen Modulprüfung - auch gar nicht vermeiden. In solchen Fällen verlängert sich die Studiendauer dann, es sei denn man holt den "Rückstand" in folgenden Semestern wieder auf. Nicht bestandene Module können wiederholt werden. Neben der Vergabe von LP für den geleisteten Arbeitsaufwand wird bei Bestehen einer Modulprüfung auch eine Note vergeben. Die Gesamtnote am Ende des Studiums errechnet sich dann aus dem mit LP gewichteten Durchschnitt der Modulnoten. Näheres regelt die Bachelor-Prüfungsordnung.

Das Curriculum des neuen "Bonner Bachelors" ist völlig neu gestaltet und gegenüber dem Studienverlauf des "alten" Diplomstudiengangs deutlich verändert und reformiert worden. Das Studium gliedert sich in

1. Pflichtmodule

Der Pflichtbereich besteht aus zwei gleichgewichtigen Blöcken  von Modulen der Kerninformatik (zu je 48 LP) aus dem Teilbereich „Mathematische Grundlagen und Theoretische Informatik“  einerseits und dem Teilbereich „Praktische und Technische Informatik“ andererseits. Ergänzt werden diese beiden Blöcke wissensvermittelnder Pflichtmodule durch ein propädeutisches Modul “Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens“ (4 LP) gleich im 1. Semester, in dem grundlegende Schlüsselkompetenzen für das weitere Studium vermittelt werden (wie Präsentations- und Vortragstechniken, Analysieren und Verfassen wissenschaftlicher Texte, Recherche in physischen wie elektronischen Bibliotheken, Dokumentation von Software, Zusammenarbeit in Gruppen und Teams).

Der Teilbereich „Mathematische Grundlagen und Theoretische Informatik“ des Pflichtbereichs wird gemeinsam von Dozenten des Instituts für Informatik und der mathematischen Institute der Universität Bonn inklusive des Forschungsinstituts für Diskrete Mathematik gestaltet. Statt mit der klassischen Grundausbildung in Linearer Algebra und Analysis gleich im 1. Semester zu beginnen, sind diese beiden Module erst im 2. Semester (als speziell für die Informatiker gestaltete, aber von der Mathematik importierte Lehrveranstaltungen) angesiedelt. Die mathematisch-formale Grundausbildung beginnt stattdessen mit einem Modul „Logik und diskrete Strukturen“, in dem informatikspezifische Aspekte der mathematischen Denk- und Arbeitsweise im Vordergrund stehen (formales Spezifizieren und Schließen, formale Modellbildung diskreter Systeme). Da diese Inhalte bereits früh auch in der Praktischen Informatik benötigt werden, sind sie im 1. Semester angesiedelt.

Aufbauend auf die mathematischen Kernmodule des 2. Semesters schließt sich im 3. Semesters ein Modul „Angewandte Mathematik“ an, in dem Grundlagen aus Numerischer Mathematik, Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung vermittelt werden. Diese Inhalte werden insbesondere von den sämtlich im Wahlpflichtbereich angesiedelten Modulen aus dem Bereich der Computergraphik, Bild- und Signalverarbeitung vorausgesetzt. Die Dozenten dieser Informatikarbeitsgebiete sind daher auch für die anwendungsorientierte Einführung in die zugehörigen Grundlagen aus der Mathematik verantwortlich.
 
Abgerundet wird die mathematisch-theoretische Grundausbildung durch zwei konsekutive Module, in denen die Grundlagen der Theoretischen Informatik unter dem Titel „Algorithmen und Berechnungskomplexität“ durch die Mitglieder des Bonner Forschungsschwerpunkts Algorithmik vermittelt werden. Das zweite dieser Module reicht als einziges Pflichtmodul ins 4. Semester hinein, da ein Beginn der Ausbildung in Theoretischer Informatik nach dem „Bonner Modell“ erst nach Absolvieren der Mathematikmodule des 1. Studienjahres sinnvoll erscheint.

Der Teilbereich „Praktische und Technische Informatik“ des Pflichtbereichs gliedert sich in drei Stränge. Zwei konsekutive Module im 1. Studienjahr (16 LP) vermitteln die Grundlagen der technischen und der systemnahen Informatik (Betriebssysteme und verteilte Systeme, Rechner- und Kommunikationsnetze). Zwei weitere, softwaretechnisch geprägte Vorlesungsmodule (14 LP) legen Grundlagen der Informationssysteme (bereits im 1. Semester, da kaum Voraussetzungen erforderlich sind)  und der Softwaretechnologie (erst im 3. Semester, weil Vorkenntnisse aus den Programmierungsmodulen des 1. Studienjahres benötigt werden).  Schließlich ist ein dreisemestriger, neu entworfener Vorlesungszyklus mit hohem Übungsanteil den Grundlagen der Programmierung gewidmet. Aufbauend auf traditionellen Techniken und Konzepten des Algorithmenentwurfs und der zugehörigen Ausdrucksmittel in der imperativen Programmierung folgen im 2. Semester Prinzipien objektorientierter Softwareentwicklung (mit den zugehörigen OO-Sprachkonzepten). Ein neu entwickeltes Modul zur systemnahen Programmierung (nebenläufige, verteilte und parallele sowie ereignisorientierte Programmierung), das auf den Grundlagen der beiden Vorlesungen des technisch-systemnahen Strangs aufbaut, ist bereits profilbildend, in dem es auf einen anderen Schwerpunkt des Bonner Forschungsspektrums hinführt.

2. Wahlpflicht- und Nebenfachmodule

Der Wahlpflichtbereich besteht aus drei Blöcken:

Das reichhaltige Angebot an kleinen und großen Wahlpflichtvorlesungen bietet den Studierenden ein breites, ausgewogenes Themenspektrum  mit vielfältigen Spezialisierungsmöglichkeiten. Neben ergänzenden Fachgebieten, die aufgrund der Vielzahl an vorausgesetzten Grundlagen erst später im Studium angesiedelt werden können (z.B. Computergraphik, Bildverarbeitung, Multimediaretrieval, Künstliche Intelligenz), sind hier vor allem vertiefende Veranstaltungen aus den im Pflichtbereich schon angesprochenen Gebieten vertreten (etwa Kommunikation in verteilten Systemen, Deskriptive Programmierung, Algorithmische Lerntheorie, Relationale Datenbanken usw.).

 

Das Wahlpflichtangebot spiegelt schon deutlich die vier Schwerpunkte des Bonner Informatikinstituts in Forschung und Lehre wieder, die den (englischsprachigen) Masterstudiengang noch deutlicher prägen:


Als Nebenfächer mit festem Angebot an Modulen stehen bisher Mathematik, Wirtschaftswissenschaften, Geographie und Psychologie fest. Vereinbarungen mit weiteren Nebenfächern werden in Kürze noch abgeschlossen. Auf Antrag sind auch Nebenfächer wählbar, mit denen bis dahin keine Export-/Importvereinbarungen geschlossen waren.

Die folgende Tabelle zeigt einen "regelgerechten" Studienverlauf bei Wahl eines Nebenfachs, das 24 LP umfasst, die in Form von vier 6 LP-Modulen vermittelt werden (für andere Nebenfachgrößen variiert die Verteilung auf die Semester geringfügig). Pflichtmodule sind rot, Wahlpflichtmodule blau, Nebenfachmodule grün eingefärbt:

 

Sem.

Module

SWS

LP

1.

Logik und Diskrete Strukturen

Technische Informatik

Informationssysteme

Algorithmisches Denken und imperative Programmierung

Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens

4V+2Ü

4V+2Ü

3V+2Ü

2V+3Ü

1V+2Ü

8

8

6

6

4

2.

Analysis

Lineare Algebra

Systemnahe Informatik

Objektorientierte Softwareentwicklung

4V+2Ü

4V+2Ü

4V+2Ü

2V+3Ü

8

8

8

6

3.

Angewandte Mathematik

Algorithmen und Berechnungskomplexität I

Softwaretechnologie

Systemnahe Programmierung

4V+2Ü

4V+2Ü

4V+2Ü

2V+3Ü

8

8

8

6

4.

Algorithmen und Berechnungskomplexität II

Wahlpflichtmodul I

Wahlpflichtmodul II

Wahlpflichtmodul III

4V+2Ü

4V+2Ü

4V+2Ü

2V+1Ü

8

8

8

4

5.

Nebenfachmodul I

Nebenfachmodul II

Wahlpflichtmodul IV

Projektgruppe (Seminar + Praktikum)

4V+2Ü

4V+2Ü

4V+2Ü

2S+4P

6

6

8

10

6.

Nebenfachmodul III

Nebenfachmodul IV

Wahlpflichtmodul V

Bachelorarbeit (mit Begleitseminar)

4V+2Ü

4V+2Ü

2V+1Ü

2S

6

6

4

14


 
Eine vollständige und detaillierte Beschreibung aller Module finden Sie im Modulhandbuch zum Bachelorstudiengang, das in wenigen Tagen auch online zugreifbar sein wird. Zu Einzelheiten des Prüfungswesens finden Sie alles Wissenswerte in der Bachelor-Prüfungsordnung, die ebenfalls in Kürze im Netz verfügbar gemacht werden wird.

Alle Fragen zum neuen Informatik-Bachelor richten Sie bitte per Mail an bama@informatik.uni-bonn.de. Wir bemühen uns, Ihnen möglichst kurzfristig kompetent zu antworten!

 

Druckversion:  BachelorInformatik.pdf  (4 Seiten)


letzte Änderung: 10.7.07/RM