[Uni Bonn]

Pressefax des AStA vom 19. 11. 1997

Die Bonner Studierenden schließen sich den protestierenden Studierenden überall in Deutschland an

Auf ihrer Vollversammlung am heutigen Abend haben sich die Studierenden der Bonner Uni mit großer Mehrheit dazu entschlossen, sich den Protesten in Gießen, Marburg, Frankfurt, Darmstadt, Köln und anderswo anzuschließen.

Ab morgen früh um 7 Uhr wird nun auch die Bonner Uni durch die Studierenden bestreikt werden. Die Aktivisten und Aktivistinnen treffen sich um 7 Uhr am Universitätshauptgebäude, um mit kreativen Aktionen die Universität zu blockieren. Vor allem sollen auch die Mitstudierenden auf die Verschlechterungen, die das neue Hochschulrahmengesetz mit sich bringen wird, aufmerksam gemacht werden.

Gastredner Prof. Dr. Jürgen Fohrmann (Neue Deutsche Literatur) erläuterte den ca. 700 Studierenden kurz die großen Nachteile des neuen Hochschulrahmengesetzes. Im wesentlichen werde es eine stärkere Verschulung, eine Verkürzung der Bildungsinhalte und eine Spitzenförderung geben. Die "Umlaufgeschwindigkeit" solle erhöht werden. Die Studierenden der Bonner Uni wollen nun dafür kämpfen, daß Bildung in Deutschland wieder als Wert angesehen wird, der daher auch Investitionen wert ist.

Besondere Empörung wurde darüber geäußert, daß die LehrerInnenausbildung von den traditionellen Hochschulen abgezogen werden soll. Das wissenschaftliche Arbeiten, so eine zentrale Forderung, sollte hingegen möglichst vielen Studierenden ermöglicht werden: Absolventen müßten besonders gut ausgebildet werden, nicht schnell und schlecht.

Durch die Überfüllung der Universitäten ist der Lehrbetrieb an vielen Universitäten und Fachbereichen de facto schon vor langer Zeit zusammengebrochen. Folglich wird mit dem Streik lediglich das ausgerufen, was in vielen Fachbereichen alltäglicher Zustand ist. Eine Studentin aus Gießen: "Wir wollen in der Regelstudienzeit fertig werden, was aber nicht geht, weil es nicht genügend Seminarplätze gibt."

Die Studierenden hoffen, mittels eines Streikes eine breite Medienaufmerksamkeit zu erlangen. Sie solidarisieren sich mit den Studierenden, die bereits Studiengebühren bezahlen müssen und Zwangsexmatrikulation erleben.

Der Streik soll auch als Auszeit genutzt werden, um allen Studierenden die Gelegenheit zu geben, sich mit den drohenden Veränderungen in der Bildungslandschaft auseinanderzusetzen und Gegenvorschläge zu erarbeiten ...

Der Streik wurde zunächst zeitlich nicht befristet. Neue Beschlüsse wird die nächste Vollversammlung am morgigen Donnerstag um 12 Uhr im Universitäts Hauptgebäude fassen.