Als zukünftige Elite in Deutschlands Unternehmen, Behörden oder Forschungszentren erschrecken die Studenten durch mangelnde Flexibilität. Wenn das Pädagogikseminar in Gießen mit 600 Studenten überfüllt ist, sollte man sich die Frage stellen, ob man nicht etwas anderes studieren kann. Oder in einer anderen Stadt. Vielleicht gar in einem anderen Land. Es ist zwar immer noch schmerzlich festzustellen, daß wir in einer globalisierten Welt leben, aber die pure Negation dessen hilft leider nicht weiter. Wer schon in dem unglaublichen Freiraum während des Studiums nicht bereit ist, Neues auszuprobieren und die kuschelige Heimat zu verlassen, wird auch später nicht für einen Beruf umziehen. So ist es unverständlich, daß Ingenieure hierzulande über mangelnde Arbeitsplätze stöhnen, sich aber nicht im entferntesten dafür interessieren, daß ihr Beruf z.B. in den USA gefragt ist.
Und warum eigentlich diese Panik vor Studiengebühren? Unsozial seien die, nur die Reichen könnten dann noch studieren. Nein. Unsozial ist, daß Sprößlingen aus begüterten Familien dieselben steuersubventionierten Bücher und Professoren zugute kommen, wie ihren Kommilitonen aus finanziell minderbemittelten Familien. Auch Studenten müssen zur Kenntnis nehmen, daß wir uns die sozialliberale Art staatlicher Fürsorge nicht mehr leisten können. Sozialhilfeempfänger haben dies weit schmerzhafter erfahren, als die auch weiterhin zur Elite gehörenden Studenten es je erleben werden. Bei einer intelligenten Abstufung von Studiengebühren ließe sich zumindest ein Teil des finanziellen Problems deutscher Hochschulen lösen. Und mit Studiengebühren von einigen hundert Mark wüßte dann der Politikstudent an der Hamburger Uni vielleicht im 5. Semester auch schon, wo die Institutsbibliothek ist.