" Studentenproteste sind Respektlosigkeit gegenüber jedem einzelnen Steuerzahler - Qualität baden-württembergischer Hochschulen hat Spitzenniveau."
"Die bundesweiten Studentenstreiks bezeichnete der baden-württembergische
Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder am Freitag (28 November 1997) in
Stuttgart als "nicht zu überbietende Beleidigung all derer, die mit ihren
Steuern und Abgaben jeden einzelnen Studienplatz in der Bundesrepublik
finanzieren."
Die Proteste seien der Beleg dafür, daß die angebliche künftige Elite des
Landes bis heute nicht kapiere, was die Stunde geschlagen hat. "Auch
Lichterketten von Studenten werden an der finanzpolitischen Realität in der
Bundesrepublik nichts ändern" Wie der Minister betonte, liefern rein
rechnerisch vier Schichtarbeiter in der Automobilindustrie ihre gesamte
Lohnsteuer ab, um einen einzigen Studienplatz zu finanzieren. Diese
Arbeitnehmer haben sicher keinerlei Verständnis dafür, daß die Empfänger
dieser Wohltaten zum Dank dafür auf die Straße gehen, und das von den
Arbeitnehmern hart erkämpfte Streikrecht verhöhnen.
Streiken dürften höchstens Arbeitnehmer, die einem Wirtschaftsunternehmen Arbeitskraft und Leistungsbereitschaft zur Verfügung stellten. " Hier ist es gerade umgekehrt: Die Allgemeinheit, die Steuerzahler und der Staat sind diejenigen, die die Leistung erbringen, die Studenten jedoch, die davon profitieren.
"Seit einer Reihe von Jahren hat auch das Land Baden-Württemberg regelmäßig Milliardenausfälle bei den Steuereinnahmen zu verzeichnen. Dennoch vergeht kaum eine Woche, in der wir nicht Baufreigaben, Grundsteinlegungen, Richtfeste und Übergaben auf den Baustellen der Universitäten im Land erleben." Mayer-Vorfelder betonte, Baden-Württemberg erreiche mit seinen Forschungsausgaben einen Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 3,9 Prozent, während der Durchschnitt aller Länder in der Bundesrepublik bei 2,4 Prozent liege. Erst in diesem Jahr habe die Landesregierung die "Zukunftsoffensive Junge Generation" mit einem Gesamtvolumen von über 1 Milliarde Mark auf den Weg gebracht, wovon allein die Hochschulen mit einem Anteil von 560 Millionen Mark profitierten. So liegen die Investitionen im Rahmen der Zukunftstoffensive für die Universitäten im Land bei 382 Millionen Mark, wovon das Land neben dem Bund 190 Millionen Mark beisteuert. Darüber hinaus seien für den Ausbau von Fachbibliotheken 40 Millionen Mark, für ein Lehrstuhlerneuerungsprogramm 100 Millionen Mark, sowie für die virtuelle Hochschule Baden-Württemberg 50 Millionen Mark eingeplant. Der Hochschulbau nimmt mit rund 50 Prozent am gesamten Bauhaushalt einen bemerkenswert großen Anteil ein. So seien 1995 rund 523 Millionen Mark und 1996 rund 542 Millionen Mark für Hochschulbaumaßnahmen ausgegeben worden. "Angesichts dieser Zahlen halte ich es für maßlos, von unerträglichen Studienbedingungen zu sprechen. Mayer-Vorfelder erinnerte auch an den Solidarpakt mit den Universitäten, in dem diesen im Rahmen vergangener Sparrunden Planungssicherheit für kommende Jahre garantiert wurde.