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"Ausgaben stiegen um 20 Prozent"

Interview mit Bildungsminister Jürgen Zöllner


Mainz (AP). Der rheinland-pfälzische Bildungsminister Jürgen Zöllner hat angesichts der massiven Studentenproteste die Hochschulpolitik der Länder in Schutz genommen. Wer wie Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers plakativ eine bessere Finanzausstattung der Universitäten und Fachhochschulen fordere, vergesse, daß die Ausgaben für Bildung und Forschung aller Bundesländer zwischen 1992 und 1996 von 105,6 auf 126,9 Milliarden Mark geklettert seien, sagte Zöllner in einem am Dienstag verbreiteten Interview der Nachrichtenagentur AP. Dies sei ein Anstieg von mehr als 20 Prozent.

Der Minister, der auch Sprecher der SPD-Länder in der Bildungspolitik ist, verwies darauf, daß der Bund im selben Zeitraum seine Ausgaben im Schul- und Hochschulbereich um 169 Millionen Mark gekürzt habe. Dies entspreche einem Rückgang von 2,3 Prozent. Zöllner sprach sich dafür aus, bei den notwendigen Sparprogrammen der öffentlichen Hand die besondere Situation der Hochschule zu berücksichtigen: "Wir müssen an die Zukunft denken." Studiengebühren oder Zugangsbeschränkungen für die Hochschulen erteilte der SPD-Politiker eine klare Absage.

Zöllner betonte, die Forderung des hessischen CDU-Fraktionschefs Roland Koch nach leistungsbezogenen Zuschüssen für die Hochschulen sei seit Jahren eine Forderung der SPD-regierten Länder. Seit etwa drei Jahren bereits erhielten die rheinland-pfälzischen Universitäten ihre für Forschung und Lehre vorgesehenen Gelder nach einem festgesetzten Schlüssel. So würden 20 Prozent dieser Mittel nach der Zahl der an einer Hochschule tätigen Wissenschaftler vergeben, 45 Prozent nach der Zahl der Studenten innerhalb der Regelstudienzeit, 30 Prozent nach der Summe der eingeworbenen Drittmittel und fünf Prozent nach der Zahl der Habilitationen und Promotionen.

"Das führt zu massiven Verschiebungen bei den Zuschüssen", sagte der Minister. Auf diese Art und Weise würden die Universitäten motiviert, sich um die Studenten zu bemühen. Zöllner verwies darauf, daß beispielsweise die Uni Kaiserslautern im vergangenen Jahr eine Werbekampagne gestartet habe, um Maschinenbaustudenten anzulocken. Derzeit werde in Mainz geprüft, ab kommendem Jahr auch die Vergabe der für Personal vorgesehenen Mittel - der größte Kostenblock an den Hochschulen - nach einem ähnlichen leistungsbezogenen Schlüssel zu organisieren.

Ruf nach mehr Studienberatung

Zöllner, der bis 1991 selbst Präsident der Mainzer Universität war, wandte sich gegen jede Überlegung zur Einführung von Studiengebühren: "Ich bin der festen Überzeugung, daß wir auf dem Weg in die Wissensgesellschaft sind." Diese Gesellschaft brauche viele gut ausgebildete Menschen. Studiengebühren behinderten fast zwangsläufig Kinder aus einkommensschwachen Familien, auch wenn Befürworter - wie der hessische CDU-Fraktionschef Roland Koch - betonten, die Gebühren könnten nur bei einer ausreichenden finanziellen Unterstützung der Studenten eingeführt werden.

Auch Zulassungsbeschränkungen hält der SPD-Politiker für kein probates Mittel gegen die Hochschulmisere. "Die Qualität der Studierenden ist heute nicht schlechter als in den 60er Jahren", sagte Zöllner. Zulassungsprüfungen an den Unis setzten schon bei Schülern eine Spezialisierung in Gang, die nicht wünschenswert sei: "Wenn wir zukünftig lebenslanges Lernen und Teamfähigkeit weiter fördern wollen, brauchen unsere jungen Menschen eine gute Allgemeinbildung." Das Abitur behalte nur seinen Wert, wenn es dem Abiturienten alle Optionen offenhalte.

Der Minister forderte jedoch eine Verbesserung der Studienberatung. Jede Hochschule müsse es als ihre Verpflichtung ansehen, auf diesem Gebiet mehr zu leisten. Mehr Beratung der Studierenden könne aber nicht über "hierarchische Befehle" von den Ministerien verordnet werden: "Ich habe gar keine Lust, das auch noch zu kontrollieren, weil es ohnehin nicht funktionieren würde." In den Universitäten müsse sich vielmehr das Bewußtsein durchsetzen, daß eine verbesserte Beratung auch der Hochschule nütze: "Wir müssen jede Einheit selbst motivieren, das Entscheidende zu verändern."

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