Hohmann-Dennhardt bekannte sich ebenfalls zu strukturellen Änderungen, verwahrte sich aber gegen persönliche Angriffe: "Ich nehme die Studierenden mit ihren Protesten sehr, sehr ernst." Angesichts der Steuer- und Finanzpolitik der Bundesregierung seien aber Kürzungen unvermeidlich. Die SPD-Politikerin forderte Veränderungen in den Hochschulen selbst. Vor allem die Anfangssemester müßten besser betreut, Studenten in die Entscheidungsprozesse der Hochschule einbezogen werden, auch durch Benotung der Professoren.
Es hätten 1997 über 40 Millionen Mark bereitgestanden, um an den Hochschulen eventuelle Engpässe zu bekämpfen, sagte die Ministerin. Sie seien nur oft nicht richtig eingesetzt worden, so seien etwa nicht im notwendigen Umfang zusätzliche Tutorenstellen geschaffen worden. Hier würden die Grenzen der Hochschulautonomie sichtbar. Der CDU warf Hohmann-Dennhardt vor, eine Universität zu wollen, die durch die Einführung von Studiengebühren "die Tore dichtmacht." Koch hielt entgegen, die Landesregierung wolle die heutigen Herausforderungen der Hochschulen mit den Antworten von gestern bewältigen. Es gebe immer mehr Abiturienten, aber die Studienbedingungen würden nicht verbessert.
Der CDU-Fraktionschef schlug vor, die Strukturen an den Universitäten so zu verändern, daß sich die Hochschulen um die Studenten bemühen müßten: "Warum geben wir der Hochschule nicht für jeden Studenten Geld?" Warum werde nicht einfach für Studenten in den ersten acht Semestern mehr gezahlt als für Studenten in den höheren Semestern. Dadurch hätten auch die Universitäten ein Interesse daran, daß schnell studiert werde: "So entsteht eine andere Universität." Es gehe nicht um die Verteilung von Millionen, die weder das Land noch die Hochschulen noch die Studenten hätten.
Auch der Grünen-Abgeordnete Tarek Al-Wazir, selbst in Frankfurt Politologiestudent, erklärte, die Krise an den Hochschulen hänge nicht allein mit mangelndem Geld zusammen. Von Jahr zu Jahr steige der Personalkostenanteil an den Universitäten. 1999 würden voraussichtlich 89 Prozent der Mittel für Löhne und Gehälter aufgewendet. Da bleibe die Anschaffung von Büchern oft auf der Strecke. Die Hochschulen müßten hier neue Schwerpunkte suchen. FDP-Chefin Wagner schlug einen Hochschulpakt nach niedersächsischem oder nordrhein-westfälischem Vorbild vor. Dabei solle den Hochschulen die für 1997 vorgesehene Finanzausstattung auf fünf Jahre garantiert werden.
H O M E
© Rheinische Post online 1997