Die hessischen Proteste aus der vergangenen Woche gegen die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen sind ins Rheinland geschwappt. Zu Köln, wo an Deutschlands größter Universität mehr als 60.000 junge Menschen die Hörsäle üitterfüllen, hatten immerhin gut 1000 von ihnen einen "Warnstreik" beschlossen. Kernpunkte des gestrigen Protests: zu wenig Dozenten, Seminarbesuch nur mit Losglück, aber auch die geplante Novelle des Hochschul-Rahmengesetzes (HRG), die straffere Leistungskontrollen vorsehe. So steht es auf einem in der Domstadt verteilten Flugblatt mit dem Titel "Streik-Info Nr. 1".
Die Aktionen sollen fortgesetzt werden. Rheinabwärts in Düsseldorf steht derzeit die Vorbereitung einer landesweiten Demonstration gegen das neue HRG vor dem Landtag im Mittelpunkt. Danach soll es auch an der Heine-Universität zur Sache gehen. "Wir werden versuchen, die Uni dichtzumachen", sagt Asta-Chef Christian Happ der RP. Den Mann von der Liste Linkes Fachschaftsbündnis plagen freilich Zweifel, ob die Mobilisierung klappt. "Viele Leute haben einfach resigniert. Die kommen nicht. Wir haben's ja probiert."
Ähnliche Töne in Münster: "Zum großen Streik wird's vielleicht nicht reichen. Da fehlt der Druck von unten", meint Robert Malina, als zweiter Asta-Vorsitzender hochschulpolitischer Sprecher des Gremiums. Aber auch Malina glaubt, daß die Chancen für frischen Wind "gerade jetzt sehr gut stehen. Mit Herzogs Rede ist Bildung wieder ein Top-Thema geworden." Die Gelegenheit, wahrgenommen zu werden, dürften die Studenten nun nicht ungenutzt lassen.
Solche Überlegungen werden auch in Duisburg und Bochum angestellt. Mit einer Vollversammlung heute in einer Woche will der Duisburger Asta über einen uniweiten Streik abstimmen. Und in der Revierstadt Bochum hat man sich für übermorgen ein Gießener "Streikkomitee" als "Protestanstifter" auf den Campus geladen.
Wuppertal peilt eine Art Parallelaktion mit Düsseldorf. "Nach der Demo am 4.12. soll hier gestreikt werden. Wenn es geht, wollen wir die Uni lahmlegen", kündigt Alexander Plachky vom Asta an. Man habe alle anderen Unis in NRW angefaxt, um eine "koordinierte Aktion" zu planen. Das Signal zum Aufbruch kam für die Bergischen "klar aus Gießen. Das war der Funke ins Pulverfaß, weil man gesehen hat: Mann, es geht ja doch. Eine ganze Uni lehnt sich auf."
Eher zurück lehnen sich die Studenten in Aachen. "Wir haben an der TH nicht solche Zustände, wie es sie zum Beispiel in Gießen gibt", erläutert die Asta-Vorsitzende Eva Wrtal. Selbst im ausgelasteten Fachbereich Maschinenbau "kommt hier noch jedes Erstsemester ins Seminar"
H O M E
© Rheinische Post online 1997