Rüttgers fordert ausreichende Finanzen für die Hochschulen

JU-Vorsitzender Escher fordert Studiengebühren


Hamburg/Wiesbaden (AP). Angesichts sich ausweitendender Studentenproteste hat Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers eine ausreichende Finanzausstattung der Hochschulen gefordert. "Die Verbesserung von Forschung und Lehre ist nicht ohne finanzielle Anstrengungen machbar", sagte der CDU-Politiker der Hamburger "Welt am Sonntag".

Der hessische CDU-Fraktionschef Roland Koch schlug im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP vor, die Zuschüsse für die Hochschulen nach einem Schlüssel zu berechnen, der neben der Zahl der immatrikulierten Studenten auch deren Studiendauer berücksichtigt. Auf lange Sicht will er auch Studiengebühren einführen. Der Vorsitzende der Jungen Union, Klaus Escher, sprach sich ebenfalls für die Einführung von Gebühren aus.

Am Freitag hatten sich die Studentenproteste von Hessen aus auch auf andere Bundesländer ausgeweitet. In Hessen selbst streiken inzwischen auch die Studenten der Fachhochschulen. Für die kommende Woche wurden Vollversammlungen und Aktionen in Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein vorbereitet. Am Donnerstag ist in Bonn eine zentrale Großdemonstration geplant.

Rüttgers zeigte Verständnis für die Studenten

Rüttgers zeigte Verständnis für die Studenten. "Ich kann nachvollziehen, daß sie ihrem Unmut laut Luft machen." Sie wollten Leistung bringen, zügig fertig werden und schon während des Studiums Berufserfahrung sammeln. Es fehle aber an Büchern, Hörsäle seien überfüllt, und vor den Sprechzimmern der Professoren bildeten sich Schlangen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre würden die Studentenzahlen noch steigen, von jetzt 1,9 auf 2,3 Millionen.

Damit die Einrichtungen diesen Ansturm bewältigen könnten, müsse ausreichend Geld bereitgestellt werden. Der CDU-Politiker forderte die Wirtschaft auf, ihr Engagement für die Hochschulen weiter auszubauen und beispielsweise gemeinsame Projekte und Stiftungs- Lehrstühle zu finanzieren.

Koch schlug vor, den Hochschulen drei Jahre lang ihren derzeitigen Jahreszuschuß als Budget zu garantieren und der Unileitung die vollständige Verfügungsgewalt über sämtliche Personal-, Sach-, und Forschungsmittel zu überantworten. Ab dem vierten Jahr sollten die Universitäten für jeden eingeschriebenen Studenten Geld erhalten, während der Regelstudienzeit mehr, danach weniger; Berechnungsgrundlage solle dann auch die Zahl der Studienabschlüsse sowie die Summe der eingeworbenen Drittmittel sein. "Das ist Wirklichkeit in Basel und mit dem derzeitigen Entwurf zum neuen Hochschulrahmengesetz machbar", sagte Koch. "Ich sage: Hört auf, in denselben Strukturen weiterzudenken und nur mehr Geld zu fordern."

Mehr Entscheidungsspielräume für Unis gefordert

In der Konsequenz schließt für Koch ein derart ökonomisch ausgerichtetes Universitätssystem langfristig die Einführung von Studiengebühren ein. Der Staat müsse zuvor allerdings das darbende Bafög-System reformieren und dafür sorgen, daß jeder Student seinen Studienplatz notfalls öffentlich gefördert bezahlen könne, erklärte der hessische CDU-Fraktionschef. Er räumte ein, daß in einer Universität, die nach den Grundsätzen wirtschaftlicher Effizienz arbeitet, "Orchideenfächer" wie Arabistik oder Judaistik leicht unter die Räder kommen könnten. "Da muß es einen gesonderten Topf geben."

JU-Chef Escher sagte der "Saarbrücker Zeitung" (Montagausgabe), der Staat allein könne die Misere der Hochschulen nicht lösen, deshalb müßten auch Studiengebühren erhoben werden. Er forderte aber auch mehr Entscheidungsspielräume für die Hochschulen und eine Reform der Studiengänge. Die Berufsbilder hätten sich in den vergangenen Jahren verändert, die Studiengänge nicht.


Alle Nachrichten dienen zur persönlichen Information - eine Weitergabe an Dritte ist unzulässig

H O M E


© Rheinische Post online 1997