Während andere Industrieländer in den vergangenen zehn Jahren ihre Studierquote erheblich steigern konnten, hat sie in Deutschland kaum zugenommen. Die Bundesrepublik habe ein Universitäts-System des 19. Jahrhunderts, das mit seinen Strukturen den steigenden Anfängerzahlen in den nächsten Jahren nicht mehr gerecht werde, resümierte OECDMitarbeiter Andreas Schleicher gestern anläßlich der Vorstellung der Ergebnisse in Paris. Nötig seien flexiblere Studienangebote, orientiert an der Nachfrage der jungen Menschen. Dazu gehörten auch frühere Möglichkeiten zum ersten Abschluß.
Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) sagte in Bonn, die Ergebnisse belegten die Dringlichkeit der von Bund und Ländern verabredeten Hochschulreform. Nach der OECD-Studie dauert ein Studium in Deutschland durchschnittlich 6,7 Jahre bis zum ersten Abschluß. Nur Österreich (7,4 Jahre) und Griechenland (6,9 Jahre) haben längere Studienzeiten.