Studium - zu lang und zu teuer

Bildungsstudie: schlechte Noten für Deutschland


Bonn (RP). Die deutschen Hochschulen gelten im internationalen Vergleich als ineffizient und reformbedürftig. Nach der neuesten OECD-Bildungsstudie dauert in Deutschland das Studium mit am längsten, bei vergleichsweise extrem hohen Kosten pro Student. Zugleich erhalten mit 27 Prozent eines Altersjahrgangs noch immer erheblich weniger junge Leute eine Hochschulausbildung als in den meisten anderen OECDLändern, wie den USA (52 Prozent), Kanada (48), Großbritannien (43), Frankreich (33) und den Niederlanden (34).

Während andere Industrieländer in den vergangenen zehn Jahren ihre Studierquote erheblich steigern konnten, hat sie in Deutschland kaum zugenommen. Die Bundesrepublik habe ein Universitäts-System des 19. Jahrhunderts, das mit seinen Strukturen den steigenden Anfängerzahlen in den nächsten Jahren nicht mehr gerecht werde, resümierte OECDMitarbeiter Andreas Schleicher gestern anläßlich der Vorstellung der Ergebnisse in Paris. Nötig seien flexiblere Studienangebote, orientiert an der Nachfrage der jungen Menschen. Dazu gehörten auch frühere Möglichkeiten zum ersten Abschluß.

Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) sagte in Bonn, die Ergebnisse belegten die Dringlichkeit der von Bund und Ländern verabredeten Hochschulreform. Nach der OECD-Studie dauert ein Studium in Deutschland durchschnittlich 6,7 Jahre bis zum ersten Abschluß. Nur Österreich (7,4 Jahre) und Griechenland (6,9 Jahre) haben längere Studienzeiten.