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Anstelle der MangelverwaltungWie das Ausland Bildung organisiert |
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Frankfurt/New York (AP). Geld für die Bildung ist auch im Ausland knapp, und die Zahl der Studenten nimmt überall zu. Aber während hierzulande vor allem der Mangel verwaltet wird, wird in den USA ebenso wie in einigen europäischen Staaten und auch in den Entwicklungsländern massiv in neue Bildungsprogramme investiert. Wichtigste Antriebskraft ist dabei der Sprung ins Informationszeitalter, der völlig neue Anforderungen an die Bildung stellt. Nach einer Studie der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit in Europa (OECD) fließen in den USA 2,6 Prozent der gesamten Wirtschaftleistung in die Universitätsbildung - in Deutschland sind es ebenso wie in Frankreich nur 1,1 Prozent. Private Mittel schlagen dabei in den Vereinigten Staaten mit 1,2 Prozent zu Buche, während es in den beiden mitteleuropäischen Ländern lediglich 0,2 Prozent sind. Zu diesen Privatmitteln gehören auch die von den Studenten oder ihren Eltern zu zahlenden Studiengebühren, die den Armen den Weg aufs College versperren. Die Höhe der Studiengebühren wird von Jahr zu Jahr neu festgelegt - je nach dem Finanzbedarf der Universität. Proteste der Studenten gab es kürzlich in New Hampshire, wo die Studiengebühren um 14,4 Prozent heraufgesetzt wurden - an der University of New Hampshire sind statt 9.615 nunmehr 10.413 Dollar (18.000 Mark) für das neue Studienjahr zu zahlen. Die Höhe der jährlichen Studiengebühren in den USA liegen zwischen 5.000 und 20.000 Dollar. Aber der Alarmruf der Studenten hat die Staatsregierung auf den Plan gerufen, die ein kurzfristiges Finanzhilfepaket für die Universitäten auf den Weg gebracht hat, damit die Gebühren wieder herabgesetzt werden können. Unterstützt wird dies von der Bundesregierung in Washington. Präsident Bill Clinton hat die Bildung neben dem Gesundheitswesen zum Schwerpunkt seiner Regierungsarbeit gemacht und setzt dies auch gegen Sparzwänge im Kongreß durch. Seit Clintons Amtsantritt wird zunehmend anerkannt, daß die hohen Studiengebühren im Interesse benachteiligter Bevölkerungsgruppen sinken müssen. Die hohen privaten Kosten des Studiums seien "ein nationales Krebsgeschwür", sagte vor wenigen Tagen der Vorsitzende der Bildungsbehörde in Massachusetts, James Carlin. Dort wurden die College-Gebühren gerade um 4,6 Prozent auf durchschnittlich 3.100 Dollar gesenkt - aufgefangen werden soll dies durch eine Erhöhung des Bildungshaushalts um acht Prozent. Schon unterhalb der Universitäten wird in den USA alles getan, um die Schüler fit für die Zukunft zu machen. Während in Deutschland gerade mal 14,7 Prozent der Schulen ans Internet angeschlossen sind, ist in einigen US-Staaten bereits die vollständige Vernetzung in Auftrag gegeben. So gibt der kleine Staat Wyoming 29 Millionen Dollar aus, um alle öffentlichen Schulen mit der besonders leistungsfähigen ATM-Technologie zu vernetzen und ihnen so den Zugang zu allen elektronisch verfügbaren Lehrmitteln zu verschaffen. Beim südlichen Nachbarn der USA fängt die Dritte Welt an. Aber auch in Mexiko fand sich die Regierung unter dem Druck der Opposition zu einer Steigerung der Sozialausgaben für das nächste Jahr um 54,7 Prozent bereit, ein erheblicher Teil entfällt davon auf die Bildung. Vor allem die asiatischen Entwicklungsländer wollen gezielt in die höhere Bildung investieren, um den Entwicklungsabschnitt der Industriegesellschaft auszulassen und gleich den Sprung in die Informationsgesellschaft zu schaffen. Zwischen Indien und den Philippinen werden fast überall entsprechende Programme vorangetrieben. Am anderen Ende der Erde, in Neuseeland, hat sich die Regierung in einem Koalitionsabkommen verpflichtet, in den kommenden drei Jahren 3,2 Milliarden US-Dollar zusätzlich für die Bildung und andere soziale Aufgaben auszugeben. Europa aber muß sich fit machen für die große Aufgabe der gemeinsamen Währung, heißt es in vielen Ländern. Portugal will zeigen, daß dies auch ohne Rotstiftaktionen in der Bildungspolitik geht. Die sozialistische Regierung von Antonio Guterres hat für 1998 eine Steigerung des Bildungshaushalts um neun Prozent angekündigt und dies zusammen mit höheren Mitteln für das Gesundheitswesen als Markenzeichen seiner Politik ausgegeben: "Um die einheitliche europäische Währung zu erreichen, mußten viele Länder mit starken Ausgabenkürzungen die Zukunft opfern", sagte der praktizierende Katholik Guterres vor dem Parlament in Lissabon. "Wir haben einen anderen Weg eingeschlagen." Die notwendige Haushaltskonsolidierung soll in Portugal nicht über Ausgabenkürzungen, sondern über den Verzicht auf Verschwendung erreicht werden. Andere europäische Länder wie Großbritannien unter Premierminister Tony Blair wollen die Universitätsbildung nach amerikanischem Vorbild reformieren und hohe Studiengebühren einführen, um das Niveau zu halten - oder wiederzugewinnen. In den vergangenen 20 Jahren sanken die Staatsausgaben für die Universitäten bezogen auf die Zahl der Studenten um 40 Prozent. "Wir müssen mehr Geld in unser Universitätssystem bekommen", sagte Blair bei einer bildungspolitischen Generaldebatte im Unterhaus. Höhere Steuern aber würde die Bevölkerung nicht akzeptieren. Zugleich will die Regierung erreichen, daß nicht nur jeder dritte, sondern jeder zweite Schulabgänger der Oberstufe den Weg zur Uni findet - notfalls mit einer Kreditaufnahme für die Zahlung der Studiengebühren. Verglichen mit den USA, Australien, Neuseeland oder Japan stecke die Hochschulpolitik in Europa wirklich in einem tiefen Dilemma, sagt der Autor der OECD-Studie, Malcolm Skilbeck. Hohe Studiengebühren allein seien aber keine Antwort. So empfiehlt der Bericht auch die Einführung neuer Lehrformen wie Telelearning im Internet.
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