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Höchstens ein ReförmchenStudenten und Professoren enttäuscht über Reformgesetz |
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Frankfurt/M (AP). Monatelang haben die Kultusminister des Bundes und der Länder gefeilscht und gestritten. Dann endlich, im August, näherten sich die Positionen an, eine Einigung wurde möglich. Das große Werk, die Reform des Hochschulrahmengesetzes, war fertig, und alle atmeten auf. Doch der erhoffte große Wurf, der die deutschen Hochschulen fit für das 21. Jahrhundert machen sollte, entpuppte sich als typisches Kompromißprodukt. "Ein Reförmchen", höhnen nun Studenten, Professoren und Radikalreformer. Der Gesetzentwurf, der noch nicht den Bundesrat passiert hat, werde die Hochschulmisere nicht beheben. Viele kleine Veränderungen sind vorgesehen. Die Höhe der staatlichen Zuschüsse für die Hochschulen soll sich künftig nach deren Leistung richten; die Hochschulen dürfen sich in zulassungsbeschränkten Fächern einen Teil ihrer Studenten aussuchen; stärker berufsorientierte Studenten können den weniger qualifizierten, aber schneller zu erwerbenden Bachelor- oder Master-Abschluß machen; alle Studenten mit einer Regelstudienzeit von mindestens vier Jahren müssen eine Zwischenprüfung absolvieren und sich über ihre Eignung beraten lassen; Professoren müssen künftig pädagogische Fähigkeiten nachweisen. Doch wirklich einschneidende Neuerungen umgingen die Minister nach Auffassung von Kritikern wie die Katze den heißen Brei - freilich brachten sie nur so überhaupt eine Einigung zustande. Der bildungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Matthias Berninger, und der Oldenburger Universitätspräsident Michael Daxner kritisierten denn auch bei der Vorstellung eines Alternativkonzepts, daß der Gesetzentwurf der Kultusminister weder etwas an der Versorgungslage der Studenten ändere, noch etwas am Dienstrecht der Professoren. Ohne eine finanzielle Grundausstattung, die zumindest Wohnen und Essen absichert, werden die Studenten aber selbst unter idealen Studienbedingungen die Regelstudienzeit nicht einhalten können: Wer nebenbei arbeiten muß, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, kann während dieser Zeit nun mal keine Vorlesungen hören. Auch an der Lehrmoral vieler Professoren wird sich nach Einschätzung der Radikalreformer insgesamt wenig ändern, solange sie verbeamtet sind und ein von der Lehrleistung unabhängiges Gehalt beziehen. Viele werden sich weiterhin lieber ihren Forschungen widmen und die damit verbundene wissenschaftliche Anerkennung genießen, statt Vorlesungen vorzubreiten und Studenten-Sprechstunden abzuhalten. Aber selbst wenn diese beiden Punkte geändert würden - an der Finanzkrise der Hochschule änderte sich noch nichts. Für deren Behebung gibt es nur drei Wege, deren erster gleich wieder ausscheidet: Forderungen nach höheren Zuschüssen entsprechend der tatsächlichen Studentenzahlen sind angesichts leerer Staatskassen unrealistisch. Bleibt die umgekehrte Variante: Die Finanzausstattung wird beibehalten, studieren dürfen aber nur noch die Besten. Diese hätten dann in kleinen Gruppen nahezu ideale Studienbedingungen. Zwar hat der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried, seinen Kollegen schon einmal empfohlen, angesichts der Belastung der Hochschulen notfalls Zulassungsbeschränkungen vor Gericht durchzusetzen. Allerdings dürfte das eher eine Drohung in Richtung der Landespolitiker als ein ernstgemeinter Reformvorschlag gewesen sein. Öffentlich eingesetzt hat sich für diese Variante bisher kaum jemand. Im Gegensatz dazu findet die dritte Möglichkeit, die Erhebung von Studiengebühren, vor allem im konservativen Lager zunehmend Anhänger. Baden-Württemberg hat sie für Langzeitstudenten bereits beschlossen, Berlin ist auf dem besten Wege dorthin und Bayern möchte sie zumindest für das Zweitstudium einführen. Auch viele Professoren wären Gebühren nicht abgeneigt, wenn sie denn eine Garantie hätten, daß das Geld auch den Unis zugute kommt und nicht im leeren Staatssäckel verschwindet. Genau diese Gefahr sehen jedoch neben Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers auch andere Kritiker von Gebührenerhebungen. Deshalb ist der Widerstand nicht nur der Mehrheit der Studenten, sondern auch vieler Politiker gegen Studiengebühren noch groß, doch am Horizont zeichnet sich diese Möglichkeit bereits als die wahrscheinlichste von allen ab. Eines nämlich haben die Studentenproteste deutlich gemacht: So wie die Lage an den Hochschulen ist, kann sie nicht mehr lange bleiben.
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