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Auch im Osten wächst der Unmut

Zwischen Rostock und Chemnitz kein Sinn für Streiks


Leipzig (AP). Hoffnungslos überfüllte Hörsäle und die Schließung ganzer Fachbereiche gehören an den meisten ostdeutschen Universitäten und Hochschulen noch nicht zum Studienalltag. Diese Probleme ihrer westdeutschen Kommilitonen kennen die Studierenden in den neuen Ländern kaum. Immer mehr junge Leute aus den alten Ländern nutzen diese vergleichsweise günstige Situation und schreiben sich an einer ostdeutschen Hochschule ein. Dennoch wächst auch dort zusehends der Unmut über die Bildungspolitik von Bund und Ländern.

In Berlin ist für kommenden Mittwoch eine Studentendemonstration angesagt. Zudem soll es an der Freien Universität vom (heutigen) Dienstag bis Donnerstag Warnstreiks geben. Fast alle größeren Unis der neuen Länder schicken am 27. November Busse mit Abordnungen ihrer Studenten zur großen Demonstration nach Bonn.

Nach Steik steht den Kommilitonen zwischen Rostock und Chemnitz jedoch nicht der Sinn. "Es ist schwierig, Streiks zu initiieren, da der Auslöser fehlt", sagt der Sprecher des Leipziger Studentenrates, Thomas Reif. Hohe Studiengebühren wie in Hessen oder die Verlosung von Plätzen für Seminare und Vorlesungen sind im Osten meist noch kein Thema. Dafür gibt es andere Sorgen wie Stellenkürzungen oder die geplante Erhöhung der Semesterbeiträge für das Studentenwerk in Leipzig. Auch dem wachsenden Zulauf aus dem Westen werden viele Hochschulen nicht mehr lange gewachsen sein. Die freien Kapazitäten sind beispielsweise in Leipzig weitgehend erschöpft. Uni-Sprecher Volker Schulte sieht die Gefahr, "daß auch eine Massenuniversität entsteht."

Die Hauptstadt bildet unter den ostdeutschen Unis und Hochschulen eher eine Ausnahme. Hier ist die Situation "ziemlich prekär", sagt Lennart Laberenz vom Studentenrat der Berliner Humboldt-Universität. Eine Stunde Wartezeit am Computerpool sei beispielsweise keine Seltenheit. "Uns geht es nicht um mehr Geld für die Unis, sondern um die Bildungspolitik, die anders verstanden werden muß", meint er.

Das neue Hochschulgesetz beschneidet nach Ansicht von Hagen Bottek die Bildungsgerechtigkeit. "Dagegen wehren wir uns einfach", sagt das Mitglied des sogenannten Arbeitskreises "Notwehr", der sich vor kurzem unter Jenaer Studenten gebildet hat. Auch wenn es den ostdeutschen Studierenden jetzt oft besser gehe als den westdeutschen und im Osten in den letzten Jahren viel mehr gebaut wurde, sollten sie sich nach Botteks Ansicht dennoch nicht aus den Protestaktionen heraushalten. "Im Hochschulrahmengesetz und den Hochschulgesetzen der Länder sind einige Passagen sehr bedenklich." Er denke dabei an die Bafög-Kürzungen und die Strafgebühren bei Überschreiten der Regelstudienzeiten in Baden-Württemberg. Aus Jena werde deshalb am Donnerstag in jedem Fall eine Abordnung zur Demo nach Bonn fahren.

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