Studentenproteste in Rheinland-Pfalz:
Lehrbetrieb in Trier und Landau lahm gelegt
Trier/Landau (dpa) - Aus Protest gegen die schlechten Arbeitsbedingungen an den Hochschulen sind Studenten in Trier und Landau am Dienstag einen dreitägigen Vorlesungsboykott gestartet. Weder an der Mosel noch in der Pfalz fand ein regulärer Unterricht statt, der Zutritt zu den Gebäuden wurde von Demonstranten erheblich erschwert. In Trier waren die Eingänge mit Tischen und Schränken verbarrikadiert. Statt Seminare besuchten die Studenten alternative Veranstaltungen, in denen über Vorschläge zur Verbesserung der geplanten Novelle zum Hochschulrahmengesetz diskutiert wurden. Mehr als 1.000 Studenten beteiligten sich nach Angaben der Sprecher der beiden Universitäten an den Aktionen.
"Wir hätten nie mit einer solch großen Unterstützung der Studenten gerechnet", sagte Lars Rosentreter, Öffentlichkeitsreferent des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (AStA) in Landau. Rund 85 Studierende nahmen an einem Fackelzug teil, an dessen Ende ein "Streikfeuer" in einer kleinen Schale angezündet wurde. Fast 100 Teilnehmer zählte nach Angaben Rosentreters ein Alternativ-Seminar eines Politologen in einem Linienbus zum Thema "Studentenproteste von 1968 bis 1997". Den Bus hatte hatte die Verkehrsbetrieb zur Verfügung gestellt. Zudem gab es sogenannte Spaßaktionen: Unter dem Motto "Bock auf Bildung" veranstalteten die Studenten ein Bockspringen durch die Stadt. Für Mittwoch war eine Demonstration geplant.
Überfüllte Hörsäle und fehlende Bücher
Die Studenten protestierten gegen die Kürzungspolitik der Länder und das neue Hochschulgesetz, sagte Betty Dettendorfer, Sprecherin des Streik-Aktionskreises in Trier. Die Studienbedingungen hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert: Überfüllte Hörsäle und fehlende Bücher seien bereits üblich geworden. Nach Ansicht von Universitätspräsident Rainer Hettich ist auch künftig keine Besserung in Sicht: "Im Gegenteil, das schleichende Abschmelzen von Geldern wird sich in den nächsten Jahren noch beschleungen", sagte er. In Trier sind rund 12.000, in Landau etwa 4.600 Studenten eingeschrieben.
Angst der Studierenden um das Studium selbst
Nach Einschätzung des rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministers Jürgen Zöllner spiegeln die Proteste die Angst der Studierenden um das Studium selbst wieder. "Sie habe Angst, daß sie ihr Studium nicht mehr finanzieren können", sagte Zöllner im Südwestfunk. Die schlechte BaföG-Situation werde daran deutlich, daß noch vor wenigen Jahren knapp die Hälfte aller Studierenden gefördert worden sei, heute nur noch 15 Prozent. Der Minister stimmte den Studenten zu, daß Studiengebühren oder ein verschärfter Numerus Clausus nicht geeignet seien, die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Die Studenten fordern ein Verbot zur Einführung von Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz.
Weitere Vollversammlungen
Nach Landau und Trier wollen sich jetzt weitere Hochschulen in Rheinland-Pfalz den bundesweiten Protesten gegen die anhaltende Finanzmisere der Universitäten anschließen. An der Fachhochschule Koblenz mit rund 3.000 Studenten wird von Montag an gestreikt. In Mainz haben die Fachschaften am Mittwoch und Donnerstag zu Vollversammlungen aufgerufen, in denen über einen Boykott entschieden werden soll. Der AStA der Koblenzer und Saarbrücker Universitäten hat die Studenten für Mittwoch zur Abstimmung über einen Streik aufgerufen.
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