Bonn (dpa) - Die Studenten-Proteste gegen die anhaltende Finanz- misere der Hochschulen haben von Hessen auf andere Bundesländer übergegriffen. Der Unmut der Studenten richtet sich auch gegen die geplante Novelle des Hochschul- rahmengesetzes und die Festlegung neuer Regelstudienzeiten.Gleichzeitig wurde am Donnerstag in Bonn bekannt, daß die Zahl der Bafög-Empfänger nach bislang vom Bildungsministerium unter Verschluß gehaltenen Zahlen weiter rapide gesunken ist. Zudem fordern die Finanzminister von Bund und Ländern weitere Einsparungen beim Bafög.

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Hartmut Schiedermair, begrüßte die Proteste gegen die "katastrophalen Studienbedingungen". Die Studierenden hätten die "Sympathie und Unterstützung der Professoren", sagte Schiedermair, dessen Organisation 16.500 Universitäts-Professoren vertritt. Auch in Bonn solidarisierten sich viele Dozenten mit den Studenten, als sie den Zutritt zur Hochschule abriegelten. "Wir wollen zügig studieren. Dazu fehlen aber Räumen, Dozenten und Laborplätzen", sagte ein Sprecher.
Die Zahl der Bafög-Empfänger ist nach neuen Erhebungen in West wie Ost rapide gesunken. Im alten Bundesgebiet bekommen nur noch 16,9 Prozent der Studenten Förderung. Vor zwei Jahren waren es noch 24,2 Prozent. In Ostdeutschland sank die Zahl sogar von 54,8 auf 32,6 Prozent. Auch wenn man nur die Studenten in der Regelstudienzeit berücksichtigt, weist die Statistik einen dramatischen Rückgang auf (West: 30,4 auf 23,4 Prozent; Ost: 56,4 auf 37,3 Prozent).
Die Finanzminister von Bund und Ländern wollen dagegen beim Bafög noch mehr sparen. Auf keinen Fall dürfe für die angestrebte Bafög-Reform mehr Geld ausgegeben werden, heißt es in einem neuen Beschluß. Die sechs Finanzminister von CDU und CSU fordern darüber hinaus weitere Einschränkungen. 1999 dürften allenfalls noch 1,5 Milliarden Mark ausgegeben werden. 1992 zahlten Bund und Länder noch rund drei Milliarden Mark für das Studenten-Bafög. Auch Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) widersetzt sich einem aktuellen Vermerk zufolge selbst der von Bayern und Bildungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) favorisierten "kleinen" Bafög-Reform. Danach sollen auch für die Gewährung von Kindergeld und Steuerfreibeträgen regelmäßig Studienleistungen nachwiesen werden. Dadurch werden Einsparungen von 470 Millionen Mark erwartet. Der Reformvorschlag sieht vor, das Geld zur Bafög-Verbesserung einzusetzen. Waigel will es dagegen zur Haushaltskonsolidierung nutzen.