25.000 Studenten protestieren in Bonner Innenstadt

Sambaklänge gegen Bildungsklau

Bonn (dpa) - Trompeten, Fanfaren, Tanz und Trillerpfeifen: Mit einem bunten Protestzug in Bonn haben Zehntausende Studenten am Donnerstag lautstark mehr Unter- stützung für die Hoch- schulen gefordert.

Beim Marsch durch die Stadt brachten die "Rüttgers-Chöre" der Universität Essen ihre Mitstudenten mit Liedern auf die Hochschulkrise in Stimmung: "Oho, oho, wer zu lange hier studiert, wird bald exmatrikuliert". Bei eisigen Temperaturen tanzten sich die Hochschüler bei Sambaklängen auf ihrem fünf Kilometer langen Fußweg zum Hofgarten warm.

"Politiker müssen flexibler werden"

"Es wäre einfach clever, mehr Geld in Lehrmittel und Lehrkörper zu investieren", erklärte ein Student aus Köln. Die Demonstranten klagten einhellig über Personalnot, beengte Räume, Büchermangel, veraltete Literatur und marode Bauten an den Universitäten. "Ich habe schon um vier Uhr am Morgen im Schlafsack gewartet, um noch einen Seminarplatz zu bekommen - aber vergebens", erzählte die Pädagogik-Studentin Barbara Müller aus Köln. Studierende aus Bochum berichteten von einem Spendenaufruf an die Eltern zum Bücherkauf für Bibliotheken. Von einer "Ellenbogengesellschaft" zu Lasten der jüngeren Studenten sprachen andere: "Wenn der Hörsaal voll ist, wird gerufen, Erstsemester raus", klagte eine Studentin aus Köln.

Viele Wege führten die Studenten nach Bonn: Ein Dutzend hatte sich zu Fuß zu einem Marathonlauf aufgemacht, andere kamen mit dem Fahrrad, die meisten in rund hundert Bussen und vier Sonderzügen. Über die Bahnsteige des Hauptbahnhofs wurden etliche Särge mit den Aufschriften "Bildung und Forschung" getragen. "Die Stimmung ist supergut und die Leute sehr ruhig", beschrieb eine studentische Ordnerin die Situation. Derweil brach auf den Autobahnen und in der Stadt unter dem Ansturm der Demonstranten der Verkehr zusammen.

Koreanisch-deutsche Protestplakate


In letzter Minute wurden im Uni-Hauptgebäude noch Transparente gemalt. "Für die Zukunft der deutschen Uni", stand in großen koreanischen Lettern auf den Bannern. Hier malte der angehende Orientalist Matthias Fox: "Wenn die internationalen Medien hier sind, soll man uns auch im Ausland verstehen", erklärte der Student. Trotz ausgelassener Stimmung anläßlich des großen Protestes seien die Probleme der Studierenden drückend. "Unser Professor hat keine Sekretärin. Wenn der einen Brief schreiben will, dann läßt er unser Seminar ausfallen", sagte Fox. Nicht selten müßten die Veranstaltungen wegen des Raummangels in der Bibliothek stattfinden.

Auch für die Nachtruhe der Demonstranten aus ganz Deutschland wurde gesorgt. "Biete Schlafplatz für zehn Personen mit Schlafsack und Isomatte", offerierte ein Bonner Student auf einem Aushang am Schwarzen Brett. Viele Professoren unterstützten den Protest. Auch die Universität Bonn stellte den Studenten ohne Umschweife die Hofgartenwiese für die Demonstration zur Verfügung - anders als in der Vergangenheit, wo oft erst die Gerichte grünes Licht für die Demonstrationen geben mußten. Von Florian Frank und Ulrika Hofsähs; Fotos: AP, dpa

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