Bonn (dpa) - Trompeten, Fanfaren, Tanz und Trillerpfeifen: Mit einem bunten Protestzug in Bonn haben Zehntausende Studenten am Donnerstag lautstark mehr Unter- stützung für die Hoch- schulen gefordert.Beim Marsch durch die Stadt brachten die "Rüttgers-Chöre" der Universität Essen ihre Mitstudenten mit Liedern auf die Hochschulkrise in Stimmung: "Oho, oho, wer zu lange hier studiert, wird bald exmatrikuliert". Bei eisigen Temperaturen tanzten sich die Hochschüler bei Sambaklängen auf ihrem fünf Kilometer langen Fußweg zum Hofgarten warm.
Viele Wege führten die Studenten nach Bonn: Ein Dutzend hatte sich zu Fuß zu einem Marathonlauf aufgemacht, andere kamen mit dem Fahrrad, die meisten in rund hundert Bussen und vier Sonderzügen. Über die Bahnsteige des Hauptbahnhofs wurden etliche Särge mit den Aufschriften "Bildung und Forschung" getragen. "Die Stimmung ist supergut und die Leute sehr ruhig", beschrieb eine studentische Ordnerin die Situation. Derweil brach auf den Autobahnen und in der Stadt unter dem Ansturm der Demonstranten der Verkehr zusammen.

Auch für die Nachtruhe der Demonstranten aus ganz Deutschland wurde gesorgt. "Biete Schlafplatz für zehn Personen mit Schlafsack und Isomatte", offerierte ein Bonner Student auf einem Aushang am Schwarzen Brett. Viele Professoren unterstützten den Protest. Auch die Universität Bonn stellte den Studenten ohne Umschweife die Hofgartenwiese für die Demonstration zur Verfügung - anders als in der Vergangenheit, wo oft erst die Gerichte grünes Licht für die Demonstrationen geben mußten. Von Florian Frank und Ulrika Hofsähs; Fotos: AP, dpa