Gießen/Frankfurt (dpa/lhe) - Der hessische Minister- präsident Hans Eichel (SPD) sucht das Gespräch mit den streikenden Studenten.Bei einer Diskussion mit mehr als 3 000 Studierenden in der Gießener Universität sicherte er am Freitag zu, er werde einen runden Tisch zur Hochschulpolitik einrichten und die Asten daran beteiligen.
Mehr Geld könne er angesichts der angespannten Finanzlage des Landes nicht versprechen, betonte Eichel, dessen Rede mehrfach von Buhrufen und Pfiffen unterbrochen wurde. Zu Zwischenfällen kam es nicht. "Immerhin hat er sich hierherbewegt, Zugeständisse hat er aber keine gemacht", sagte eine Asta-Sprecherin. "Wir haben alles versucht, damit er nicht so um den heißen Brei rumreden kann."
Zu einer Physik-Vorlesung in der Abflughalle des Frankfurter Flughafens versammelten sich knapp 100 Studenten. Unter dem Motto "Wollt Ihr Nieten in Nadelstreifen?" zogen etwa 80 angehende Wirtschaftswissenschaftler vor die Deutsche Bank. Gut 200 Kommilitonen lauschten einem Vortrag ihres Professors über "zivilen Ungehorsam" in der Innenstadt. In der Fußgängerzone von Kassel trafen sich Erstsemester des Studienganges Produktdesign zu einer Vorlesung zum Thema Zeitmanagement. Sportstudenten besuchten mehrere Schulen und informierten künftige Abiturienten über Studienbedingungen und Sparmaßnahmen.
In weißen Kitteln zogen fast 400 Chemie-Studenten der Technischen Universität (TU) in Darmstadt zu einer Vorlesung in die Innenstadt. Im Schlepptau hatten sie ein Skelett und einen schwarzen Sarg mit der Aufschrift: "Uni verhungert". Nur wenige Meter entfernt zeigten etwa 350 Architektur-Studenten Modelle sowie mit einem speziellen Computerverfahren hergestellte dreidimensionale Bilder.300 Studierende wollten jedes Jahr mit dem sogenannten CAD-Verfahren arbeiten, es gebe aber nur etwa acht Arbeitsplätze für 40 Kommilitonen, kritisierten die Studenten. Das für 600 angehende Architekten ausgelegte Gebäude werde von 1 700 genutzt. Studenten der FH Darmstadt versteigerten symbolisch ihre Dozenten. Für den Abend waren in Darmstadt und Frankfurt Lichterketten geplant.
Zwar müßten auch die Universitäten ihre Strukturpobleme lösen, doch müsse auch die Politik ihre "Hausaufgaben" machen. "Und ich wünsche mir, daß das erfreuliche studentische Engagement ihr dabei Beine macht." Meißner sprach von "berechtigten Forderungen". Fotos: dpa