SPD: Bafög-Reform - CDU: Bund nicht zuständig

Studenten: "Marsch auf Bonn"

Bonn (dpa) - Der Protest geht weiter: Studenten bereiten ihren für diesen Donnerstag angekündigten "Marsch auf Bonn" vor. Nach Hessen und Nordrein- Westfalen wollen sich jetzt auch die Studenten aus Rheinland-Pfalz und Berlin an den Protesten beteiligen.

In Trier soll ab Dienstag gestreikt werden, in Mainz laufen Vorbereitungen. Auch an der FU Berlin wurde zu einem Warnstreik aufgerufen. Als erste bayerische Hochschule will sich Regensburg an den Protesten beteiligen. Die SPD will zur Verbesserung der Studienbedingungen eine große Bafög-Reform durchsetzen. Dabei sollen alle Studenten künftig eine einheitliche Grundförderung von 350 bis 400 Mark direkt erhalten - statt Kindergeld und Steuerfreibträge für die Eltern. Foto: Reuters Das Präsidium der SPD mahnte am Montag die Mitarbeit des Bundes dabei an. SPD-Chef Oskar Lafontaine warf der Bundesregierung vor, seit Jahren das Bafög kaputtgespart und den Hochschulausbau vernachlässigt zuhaben. CDU-Generalsekretär Peter Hintze machte dagegen allein die Länder für die Finanzmisere an den Hochschulen verantwortlich.

Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt äußerte wie Hintze "Sympathie" für die Studentenproteste. An den Hochschulen fehlten Dozenten, Bücher und Räume. Zugleich erneuerte er die Forderung der Wirtschaft nach Studiengebühren in Höhe von 1.000 bis 1.500 Mark pro Semester sowie nach einem Studentenauswahlrecht für die Hochschulen. Hundt räumte ein, daß das Bildungssystem außer Reformen auch mehr Geld brauche.

Lafontaine: Provokation für Studenten und Eltern

In Bonn nahmen erneut über 2000 Studenten an einer Protestversammlung teil. Studentensprecher wiesen die Forderung nach Studiengebühren entschieden zurück. Auch Lafontaine nannte die Gebührenüberlegungen in einigen unions-geführten Ländern nach der Präsidiumssitzung eine zusätzliche Provokation für die Studenten und ihrer Eltern. Die Situation an den Hochschulen sei wesentlich Folge einer Steuerpolitik zu Lasten von Ländern und Kommunen. Darum dürften keine weiteren Steuergeschenke gemacht werden, die die Haushalte von Ländern und Kommunen belasteten.

Die Vorsitzende der SPD-Bildungskommission, Anke Brunn, rechnete vor, daß der Bafög-Etat seit 1992 in Folge der Bonner Sparpolitik von drei Milliarden Mark auf derzeit nur noch 1,7 Milliarden reduziert worden sei. Um den Studenten schnell zu helfen, sei die SPD auch zu einem Zwischenschritt bereit. Die Bundsregierung müsse sich bewegen, damit am 18. Dezember beim Treffen von Kanzler und Ministerpräsidenten ein Durchbruch für die Bafög-Reform geschafft werden könne, unterstrich Lafontaine. Neben der Grundförderung für alle will die SPD aufbauende Hilfen für bedürftige Studenten im Rahmen des neugestalteten Bafög-Gesetzes.

Rüttgers fordert Aktionspartnerschaft

Hintze wies eine Verantwortung des Bundes für die Notlage an den Hochschulen zurück. Ihre Ausstattung sei allein Ländersache. Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers (CDU) forderte erneut eine Aktionspartnerschaft von Bund, Ländern, der Wirtschaft und engagierten Bürgern zur Rettung der Hochschulen. FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle äußerte Verständnis für die Studentenproteste und sprach von "unhaltbaren Zuständen an den deutschen Universitäten".

Wirtschaft und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) verständigten sich auf eine engere Kooperation, um die Umsetzung von neuen Ideen in Produkte zu beschleunigen. Wissenschaft und Wirtschaft sollen durch den Austausch von Personal besser verbunden werden. HRK-Präsident Klaus Landfried verlangte eine auskömmliche Finanzierung der Hochschulen, damit sie zu "Zukunftswerkstätten ausgebaut" werden könnten. Die fünf hessischen Universitäts-Präsidenten unterstützen den Protest ihrer Studenten gegen die Bildungspolitik von Bund und Ländern und kündigten an, mit ihnen gemeinsam zu demonstrieren.

Studentenzahlen leicht zurückgegangen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Studentenzahlen in diesem Jahr leicht zurückgegangen und zwar um 1,7 Prozent auf 1,808 Millionen. An den Universitäten haben erneut mehr Frauen ein Studium begonnen als Männer. Nach einer Prognose werden die Studentenzahlen in den nächsten Jahren wegen der geburtenstarken Schulabgänger-Jahrgänge auf bis zu 2,3 Millionen ansteigen.

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