junge Welt Inland

01.12.1997
Internationaler Block bedrängt
Hochschulparlamente protestieren gegen Demo-Ordner in Bonn

Der Streit um das politische Mandat an Universitäten wird mittlerweile sogar handfest unter den Studenten ausgetragen. Auf der Demonstration am vergangenen Donnerstag in Bonn kam es nach Darstellung der Marburger Vollversammlung zu Szenen, »die einer aufgeklärten Studierenden-Bewegung nicht würdig sind«.

Während der Kundgebung, an der sich etwa 50 000 Schüler und Studenten beteiligten, gingen Ordner des Demonstrationszuges gegen den sogenannten Internationalen Block vor. Die akademischen Hilfssheriffs drängten die Teilnehmer dieses Blocks von der Spitze des Zuges, versuchten, Transparente und Megaphone einzukassieren und wiesen die Polizei an, den Lautsprecherwagen der Internationalisten zu entfernen. Am Schluß des Marsches zum Bonner Hofgarten entzog die Demonstrationsleitung dem Vertreter des Internationalen Block , das Wort.

Neben dem Marburger Studentenparlament protestierte auch der AStA der Bremer Universität gegen die Versuche, »den Block zu sabotieren, unter Anwendung von Gewalt und durch Provokation der OrdnerInnen und der von ihnen herbeigerufenen Polizei.« Die Masse der Studenten fordere lediglich bessere Studienbedingungen. Der Kontakt zu Professoren und die Zustimmung von Politikern sei den Hochschulprotestlern so wichtig, kritisieren die Bremer, »daß sie die Probleme und Forderungen der ausländischen Studierenden übergehen oder ausgrenzen, um eine Einigung mit den MachthaberInnen zu erreichen.« Darauf habe man mit einem internationalen Block in Bonn aufmerksam machen wollen.

Leif Allendorf

(Siehe auch folgende Aktions-Übersicht und Leserbrief)

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