junge Welt Inland

27.11.1997
Studenten: »Wir sind doch nicht blöd«
Gewerkschaften unterstützen Proteste an den Unis

Auch am Mittwoch haben sich die bundesweiten Studierendenproteste ausgeweitet. In Berlin gingen nicht nur mehrere tausend junge Leute aus den drei Universitäten unter dem Motto »Wir sind doch nicht blöd« zu einer Demonstration auf die Straße. In dem von starkem Polizeiaufgebot begleiteten Zug unterstützten auch Nicht- Studierende die Forderungen der Studierenden. Auf dem Wittenbergplatz verhinderten 50 Polizisten das Eindringen von Teilnehmern in das Kaufhaus des Westens. Dabei gab es fünf vorübergehende Festnahmen. An der Freien Universität beteiligten sich am Mittwoch nach Angaben des AStAs mittlerweile 14 Fachbereiche, sechs mehr als am Vortag, am Warnstreik. Die Studierenden zeigen immer mehr, daß es ihnen nicht nur um ihre eigenen Interessen geht. In Darmstadt, Göttingen und Köln steht vielmehr die gesamte Bildungs- und Sozialmisere auf dem Prüfstand. Die Studierenden solidarisieren sich ausdrücklich mit allen Opfern der Globalisierungs- und Standortpolitik.

In Jena und Ilmenau sind Vorbereitungen zu Vollversammlungen im Gange, die über Streiks beraten sollen. Der StudentInnenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg schloß sich den studentischen Protesten an.

Unterstützung erfahren die Aktionen auch von GEW und DAG sowie von der IG Metall. Auch der Nobelpreisträger für Wirtschaft von 1994, Reinhard Selten, sieht das Bildungssystem in Gefahr. »Noch sieht man die Folgen der immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen nicht. Aber wenn sie sichtbar werden, dann wird es zu spät sein.«

Sven Ehling

(Siehe auch nachfolgend Bericht und Interview)

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