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Kommilitonen machen bundesweit mobil gegen die Spar-Politik

VON TORSTEN HARMSEN

BERLIN, 20. November. Die Protestwelle rollt. Die Studentenstreiks, die an hessischen Hochschulen vor drei Wochen begannen, breiten sich aus. "Wir bemühen uns um eine bundesweite Vernetzung, damit wir mit einer Stimme reden", sagt Oliver Stoll von der Studentenvertretung der Berliner Humboldt-Universität. Im Rahmen des studentischen Dachverbandes "fzs" werden zur Zeit die Aktionen koordiniert; der Streik soll in den nächsten Wochen Unis im ganzen Land erfassen. Überlegungen, sich dem Vorlesungsboykott anzuschließen, gibt es außer in Berlin in Jena, München, Heidelberg, Trier, Kiel, Wuppertal. Am kommenden Donnerstag wollen Studierende in Bonn zentral demonstrieren.

Bibliotheken schließen früher

Die Gründe für den Protest der Studenten sind vielfältig. Sie reichen von der Verschleppung der Bafög-Reform über die 100 Mark Einschreibegebühren in Berlin und Baden-Württemberg oder die in der Novelle des Hochschulrahmengesetzes festgeschriebenen Auswahlgespräche für Bewerber in NC-Fächern bis hin zu "generellen Kürzungen im Sozialbereich", die auch die Lage der Studierenden verschlechtern. Unter anderem wird ein Verbot für Studiengebühren gefordert.

Im Kern geht es jedoch um die Bildungsmisere, die im studentischen Alltag überall spürbar wird. An der Humboldt-Universität zum Beispiel, so Oliver Stoll, müßten die angehenden Zahnmediziner ihre Ausrüstung selbst bezahlen. Das seien 1 200 Mark pro Semester. Bilbliotheken hätten nur noch vier bis sechs Stunden am Tag geöffnet, Fachzeitschriften würden reihenweise abbestellt, Bücher einfach nicht nachgeordert. Nur die Hälfte der 37 studentischen Fachschaften besäßen einen Raum, um Beratungen für Studierende abzuhalten. Auf 15 000 Studienplätzen drängten sich zur Zeit 33 000 Studierende. In Seminaren für 25 Studierende säßen bis zu hundert Interessierte.

In Berlin müssen die Hochschulen innerhalb von zehn Jahren fast eine Milliarde Mark sparen. Die Uni-Präsidenten und der Senat haben Verträge abgeschlossen, die die Universitäten in den nächsten drei Jahren einerseits von zusätzlichen Sparauflagen ausnehmen, sie andererseits zu harten Kürzungsschritten zwingen. Die Freie Universität muß ihre Professorenzahl in acht Jahren nahezu halbieren. Die Technische Universität schmilzt von 540 auf 320 Professoren ab, und die Humboldt-Uni verliert 83 Professoren. Ganze Fächer wie die Pharmazie (HU), die Lehrerbildung (TU), die Sportwissenschaft (FU) stehen auf der Streichliste. "Wir fordern, daß die Einsparungen rückgängig gemacht werden", sagt der Studentenvertreter Daniel Apelt.

"Die Verträge haben zu einer neuen Form der Abwicklung des Sparens geführt", setzte er hinzu. Die sprichwörtliche "Selbstamputation" der Unis hat inzwischen die Studierenden auf den Plan gerufen. An der TU verhinderten sie mehrfach den Beschluß des Akademischen Senats, die Erziehungswissenschaften "abzuwickeln", bis er "unter Polizeischutz" gefällt wurde. Am Mittwoch störten FU-Studenten die Sparsitzung des Akademischen Senats. Und nächsten Dienstag treten sie in den Warnstreik.

Leserbrief



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