Seminar Handlungssteuerung in autonomen Systemen, SoSe 1998
Univ. Bonn, Institut für Informatik III
Joachim Hertzberg
Wie entscheidet ein autonomer Akteur -- sei es ein
Roboter oder ein Software-Agent --, was er in Übereinstimmung mit
vorgegebenen Zielen als jeweils nächstes tut? Wie arbeitet er einen
vorgegebenen oder selber erstellten Handlungsplan ab, wenn die Welt
mit seiner Sensorik nicht akkurat wahrnehmbar ist oder sich ohne sein
Zutun verändert haben kann? Im Seminar werden einige klassische und
einige neueste Arbeiten zu diesen Fragen vorgestellt, die aus den
KI-Bereichen Handlungsplanung, Planausführung und
Agent-Architekturen stammen.
- Zeit und Raum:
- Montags, 18:00, Raum A 121
- Vorbesprechung:
- Montag, 9.2.98, 11ct, Raum A  121
- Anforderungen:
- Im üblichen Rahmen: Einzelvortrag, schriftliche Ausarbeitung.
Zusätzlich ist gefordert, am Ende des Seminars Gutachten zu zwei
Ausarbeitungen anderer Seminarteilnehmer/innen abzugeben. Anforderungen
und Verfahren dazu werden vor dem Seminar im Detail erläutert.
(LaTeX-source
des Gutachterbogens; erforderliches LaTeX-style-file.)
Zu den ersten beiden Terminen im Semester gibt es Seminarsitzungen zu
den Themen ``Wie schreibe ich eine wissenschaftliche Arbeit?''
(Seminararbeiten, Diplomarbeiten, ``Papers'') und ``Wie halte
ich einen wissenschaftlichen Vortrag?''.
Literatur allgemein
- Allgemeiner KI-Hintergrund:
- S. Russell, P. Norvig: Artificial Intelligence: A Modern Approach.
Englewood Cliffs (Prentice Hall) 1995
 
- Zu den Themen Schreiben, Publizieren, Vortragen: Auswahl
aus:
 
- H.F. Ebel, C. Bliefert: Schreiben und Publizieren in den
Naturwissenschaften.
Weinheim (VCH Verlagsgesellschaft) 1991
H.F. Ebel, C. Bliefert: Vortragen in
Naturwissenschaft, Technik und Medizin.
Weinheim (VCH Verlagsgesellschaft) 1992
J. Zobel: Wrtiting for Computer Science.
Singapur (Springer) 1997
K.M. Göschka:
Merkblatt für den Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten.
TU Wien, Inst. f. Computertechnik, 1996
Themen
Hinweis: Die angegebene Literatur ist jeweils als Einstieg
und Schwerpunkt für das Seminarthema zu verstehen; sie soll von
den Referenten selbständig ergänzt werden. Bei einigen
Vorträgen ist das besonders hervorgehoben, es gilt aber im
Prinzip für alle.
-
- Thema:
- STRIPS und SHAKEY
- Quelle:
- N.J. Nilsson: SHAKEY the robot.
SRI International, Technical Note 323, 1984
- Inhalt:
- Der "Klassiker" unter den autonomen mobilen
Robotern, SHAKEY. Gebaut Ende der 60er Jahre umfaßte er
Umweltsensorik, Handlungsplanung (mit dem Planer STRIPS) und
Planausführungskontrolle und war damit für etwa 25 Jahre
Weltspitze unter den autonomen Robotern. Der Vortrag gibt einen
Überblick über die gesamte Systemarchitektur; vertieft wird
das Problem behandelt, wie Pläne die Roboteraktion beeinflussen.
-
- Thema:
- Graphplan
- Quelle:
- A.L. Blum and M.L. Furst: Fast Planning
through Plan Graph Analysis. J. Artif.Intell. 90:281-300, 1997
- Inhalt:
- Ein (relativ) neuer Planer fürs
"klassische" (STRIPS-artige) KI-Planen. Die Arbeit hat Furore gemacht,
weil das System Graphplan durch einige kleine Einschränkungen und
Tricks in vielen Fällen erheblich schneller läuft als
vergleichbare Planer.
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- Thema:
- Logistik-Anwendungen des Planens: SIPE-II
- Quelle:
- D.E. Wilkins, K.L. Myers, J.D. Lowrance,
L.P. Wesley:
Planning and Reacting in Uncertain and Dynamic Environments.
J. Experimental and Theoretical Art. Intell. 7(1):121-152, 1995
- Inhalt:
- Einer der ersten KI-Planer, die konsequent
in Richtung Anwendungen entwickelt wurden, war SIPE. Seit Anfang
der 90er gibt es SIPE-II, und gewissermaßen als Instanzen
davon gibt es einige Anwendungssysteme zum Planen bzw. zum
Scheduling. Der Vortrag gibt einen Überblick über SIPE-II,
dessen konzeptuellen und theoretischen Hintergrund und Anwendungen
davon. Das genannte Papier ist als Einstiegsliteratur zu verstehen,
die für den Vortrag zu vertiefen ist.
-
- Thema:
- Behavior-Based Robotics: Die
Subsumptions-Architektur
- Quelle:
- R. Brooks: A robust layered control system
for a mobile robot. IEEE Tr.  Robotics and Automation
RA-2(1):14-22, 1986
ders: Intelligence without
Representation. J. Artif. Intell. 47:139-160, 1991.
ders.: Intelligence without Reason. AI Memo 1293, MIT, April 1991.
- Inhalt:
- Eine Familie von Arbeiten, die die
symbolische, "good old-fashioned" KI grundlegend in Frage stellt. Als
Alternative wird für die Steuerung intelligenter Akteure eine
spezielle Kontrollarchitektur aufbauend auf "behaviors"
vorgestellt. Brooks' Arbeiten werden immer noch gerne diskutiert und
zitiert (wobei nicht alle, die sie diskutieren, sie recht gelesen zu
haben scheinen ...).
-
- Thema:
- Die 3T-Roboterarchitektur
- Quelle:
- R.P. Bonasso, R.J. Firby, E.Gat,
D.Kortenkamp, D.Miller und M. Slack:
Experiences with an Architecture for Intelligent, Reactive Agents.
J. Experimental and Theoretical
Art. Intell. 9(2/3):237-256, 1997.
- Inhalt:
- Das Standard-Architekturmodell zur Steuerung
autonomer Roboter umfaßt drei Steuerungsebenen: Strategische
Planung, taktische Umsetzung einzelner Operatoren und
situationsabhängige Operatorausführung. Die 3T-Architektur
ist ein Beispiel dafür. Das angegebene Papier gibt als
Einstieg einen Überblick über die Architektur und einige
Anwendungssysteme; es wird vorausgesetzt, daß die Beschreibung
der einzelnen Ebenen vertieft wird aus den Literaturangeben, die im
Papier enthalten sind.
-
- Thema:
- Das S*-Architekturmodell
- Quelle:
- J.K. Tsotsos: Intelligent Control for
Perceptually Attentive Agents: The S* Proposal.
J. Robotics and Autonomous Systems 21(1):5-21, 1997
- Inhalt:
- Ein neuerer Vorschlag für eine
Roboterarchitektur, die behavior-Basiertheit und symbolisches
Schlußfolgern umfassen soll und insbesondere Bildverarbeitung
einschließt.
-
- Thema:
- Planung für Software-Agents
- Quelle:
- D. Weld: Planning-Based Control of Software
Agents. Proceedings AIPS-96, S. 268-274, 1996.
- Inhalt:
- Nicht nur Roboter sind Verkörperungen
intelligenter Agenten, sondern auch "Softbots", und auch ihre
Handlungen müssen gesteuert werden. Eine typische Einsatzumgebung
dafür ist das WWW. Das Thema behandelt Planung für solche
Softbots. Die gegebene Quelle ist durch weitere zu ergänzen.
Joachim Hertzberg - Jan. 29, 1998; Apr. 20, 1998